In seiner Videoarbeit „Hochdruckversuch/Tiefbohrung“ sucht der Künstler Sven Johne die Begegnung mit seinem früheren Ich. Im Dialog mit Prof. Dr. Annegret Laabs, Direktorin des Kunstmuseums, spricht Sven Johne über den Einfluss des gesellschaftlichen Wandels seit 1989 auf seine Arbeiten und über das Erzählen von Geschichten.

Über die Arbeit: Hochdruckversuch/Tiefbohrung: „Verteidigungsminister Boris Pistorius hat mit einer einfach gesetzlichen Änderung – das heißt ohne Änderung des Grundgesetzes – ein neues Wehrdienstmodell und die dafür dringend erforderlichen Strukturen und Kapazitäten geschaffen. [...] Im Besonderen enthält der Gesetzentwurf zahlreiche Maßnahmen für einen attraktiven und sinnstiften Wehrdienst sowie die Wiederaufnahme von Wehrerfassung und Wehrüberwachung.“ - heißt es auf der Website des Bundesministeriums für Verteidigung.

Sven Johne reagiert auf diese neue Situation, hatten wir nicht gerade noch Friedenszeiten? Müssen wir tatsächlich schon wieder an Militär, an Wehrhaftigkeit und es bleibt nicht aus, auch an den gewaltsam herbeigeführten Tod denken? Viele Menschen glauben nicht an das Versprechen von mehr Sicherheit und Frieden durch militärische Aufrüstung. Doch, was bleibt?

Nackt, linkisch, unseren Blicken ausgesetzt, steht das jüngere Ich des Künstlers vor uns. Aufgenommen im Jahr 2000 während des Studiums, erzählt dieses Ich rückblickend seine Erinnerungen, jene an die eigene Musterung im Kreiswehrersatzamt, an einen Militärarzt, an die eigene Familiengeschichte, die über Generationen vom Militär geprägt war, an Urgroßvater, Großvater, Vater, Stiefvater – alles pflichtbewusste Soldaten, die dem Kind und Jugendlichen Sven erklären, wie wichtig die Wehrhaftigkeit gegen den Feind war. Es ist die Reflexion über die Prägungen, die diese Kindheit hinterlassen hat, über Kränkungen und Wunden, die zu den Zweifeln der Gegenwart und einer ganz neuen Familiengeschichte in die Zukunft führen.