KREUZGANG

Die einst zum Kloster gehörenden Bauten, wie Gästehaus, Propstei, ein eigenes Hospital, mehrere Kapellen und Wirtschaftsgebäude sind heute noch mit wenigen Mauerresten im Skulpturenpark des Klosters sichtbar.
Wesentlich besser erhalten haben sich die Gebäude der sogenannten inneren Klausur. An den Kreuzgang im Zentrum der Anlage grenzen das Refektorium im Norden, die Klausurräume im Osten und Westen sowie natürlich die Kirche. Mit über 32 Arkaden öffnet sich der Kreuzgang zum Innenhof hin. In jede Arkade sind, auf einer zweistufigen Sockelbank stehend, kleinere Drillingsarkaden eingefügt. Die meisten Säulen sind rund, manche vier- oder mehreckig, und die Sandsteinkapitelle bieten eine reiche Auswahl unterschiedlicher Schmuckformen: Blattwerk, Palmetten, Rosetten und Würfelkapitelle mit unterschiedlichen Schildformen.
Am gesamten Gebäudekomplex des Klosters vom Kreuzgang über das Refektorium bis zu den Türmen der Klosterkirche finden sich zahlreiche verschiedene Kapitelle, die im Wesentlichen in der Bauphase unter Norbert und Edmont zwischen 1134 und 1154 entstanden sind. Sie korrespondieren in ihren Formen mit der Ausstattung zahlreicher paralleler Bauprojekte aus der Mitte des 12. Jahrhunderts vom Bonner Münster über die Prämonstratenserabtei Hamborn bis zur Zisterzienserabtei in Schulpforta und finden ihre Vorbilder in Frankreich.
Während der Kreuzgang selbst und die mit besonders schmuckreichen Kapitellen ausgestattete Tonsur in der Bauphase der Mitte des 12. Jahrhunderts entstanden sind, lässt sich über das Aussehen des oberen Stockwerkes keine Aussage mehr treffen, da es um 1848 in neoromanischem Stil, angepasst an die vorhandene mittelalterliche Bausubstanz, erneuert wurde.

NORDFLÜGEL/ REFEKTORIUM

Das große Refektorium im Norden der Klausur mit einer Länge von 45 Meter, in dem heute die Sammlung Gegenwartskunst ausgestellt ist, wird ebenfalls zu dem großen von Norbert begonnenen Bauprojekt gehören. Zumindest ist der nordfranzösisch-burgundischem Einfluss im Gebäude deutlich erkennbar.

Unter dem Refektorium befindet sich die sog. Mittlere Tonne. Sie ist nahezu ebenso groß wie das Refektorium, jedoch deutlich gedrungener proportioniert und im vorderen Bereich kreuzgratgewölbt.

Von der mittleren Tonne aus gelangt man in die dritte, die deutlich kürzere Untere Tonne aus dem Spätmittelalter. Während beide Tonnen zu Klosterzeiten als Speicher und Lager dienten, ist heute hier die Sammlung Historische Skulptur ausgestellt.

WESTFLÜGEL

Im Westflügel, der im II. Weltkrieg vollständig zerstört wurde, befand sich ein Saal mit einem Kreuzgratgewölbe, den eine Säulenreihe in zwei Schiffe teilte; nach rechts zum Kreuzgang ist er durch mehrere Arkaden geöffnet. Der Saal soll aus der Zeit um 1160/70 stammen und wurde im 19. und beginnenden 20. Jahrhundert gründlich restauriert. Allerdings befand sich hier schon vor der Mitte des 12. Jahrhunderts ein großer hallenartiger Raum, ebenso wie auf der Nordseite dieses Flügels. Der Saal, nachmittelalterlich als „Haube“ betitelt, war nachweislich mit Wandmalereien geschmückt und besaß eine farbige Verglasung; drei Säulenschäfte und eines der Kapitelle stammten sogar aus römisch-antiker Zeit.

Die zweischiffige Halle im Westflügel des Klosters besaß also eine ausgesprochen repräsentative Ausstattung, die wohl kaum zu einem Refektorium, einem Speisesaal, passt, zumal sich ja im Nordflügel der Klausur ein überaus großes Refektorium erhalten hat. Vielmehr dürfte er als Kapitelsaal gedient haben; hier dürften sich alle drei Jahre die Vertreter der sächsischen Prämonstratenserklöster versammelt haben und im 17. Jahrhundert diente er den Landständen als Versammlungsort.

In der Zeit um 1959 bis 1963 wurde der Westflügel durch den am Bauhaus ausgebildeten Architekten Hans Berger neu errichtet. Im Untergeschoss befindet sich heute das Café. Die beiden oberen Geschoss sind Ausstellungsetagen, in denen Sonderausstellungen gezeigt werden.

OBERER KREUZGANG

Der Obere Kreuzgang mit einem großen modernen Galerieraum im Westflügel, dem kleinen gewölbten Obergeschoss des Poenitentiariums, der oberen Tonsur sowie einer Reihe von modernen Kabinetträumen im Ostflügel wird für temporäre Ausstellungen, mit Schwerpunkt auf nationaler wie internationaler Kunst nach 1945, genutzt.