Ausstellung

Farbe und Gebiet

Joachim Brohm

10.09.2026 -
31.01.2027

Seit Jahrzehnten schafft Joachim Brohm fotografische Archive, die den langfristigen Wandel zivilisatorischer Randzonen sichtbar machen. Er richtet seinen Blick auf jene Aspekte der Welt, die unseren gewöhnlichen Alltag bestimmen. Seine Fotografien erscheinen nüchtern, zurückhaltend und beinahe beiläufig. Übergangszonen und Randgebiete, Wohnsiedlungen, Campingplätze, Flussufer oder Gewerbeflächen wandeln sich in seinen Bildern zu Untersuchungsfeldern voller Geschichten. Gerade diese ungeschönte Darstellung des Alltäglichen wird durch präzise Kompositionen und die subtile Beobachtung der Farbigkeit immer wieder gebrochen.

Die Ausstellung Farbe und Gebiet zeigt Fotografien der zentralen Serien „Ruhr“ (1981-1983), „Areal“ (1992-2002), „Ohio“ (1983-1984) sowie der neu zusammengestellten Serie „Farbe und Gebiet“ (1986-1992). Die Aufnahmen der Serie „Ruhr“ zeugen von der Orientierung an den sachlichen Blicken der New Topographics und verraten doch eine große Veränderung. Brohms Farben sind matt, nuanciert und oft von dem diffusen, mitteleuropäischen Tageslicht geprägt, setzen sich bewusst von der knalligen, übersättigten Werbeästhetik seiner Entstehungszeit ab und sind doch keine komplette Absage an das visuelle Spektakel. Die typischen Farben des Alltags – von verwaschenem Blau über Rostbraun bis zu den verblassten Oberflächen von Campingwagen, Imbissbuden oder Freizeitanlagen – treten allmählich zurück.

Die Fotoserie „Ohio“ richtet den Blick auf alltägliche urbane Orte in den USA als Sinnbilder eines Landes im Wandel. Überdimensionierte Autos, verlassene Schauplätze und zerstörte Werbetafeln vermitteln eine Atmosphäre von Vergänglichkeit, Entfremdung und dem brüchig gewordenen amerikanischen Traum. Hier beginnt eine Entwicklung von einer soziokulturellen Milieustudie hin zu einer fast schon minimalistischen, architektonischen Abstraktion, die letztlich in der Serie „Areal“ ihren Höhepunkt findet: Über elf Jahre dokumentierte Brohm die Transformation des ehemaligen Gewerbegebiets im Norden Münchens; von einem Ort für blühende Wirtschaft über deren sukzessiven Verfall hin zu ersten Anfängen von neuer Wohnbebauung und steht so für Veränderungen der Zeit, die exemplarisch für alle Regionen Europas Gültigkeit besitzt.

Beeinflusst von der amerikanischen Fotografie der 1970er Jahre und konzeptuell-topografischen Ansätzen, entwickelt Joachim Brohm (*1955 in Dülken) einen Blick, der das Sichtbare dekonstruiert. Industrieanlagen verlieren ihre Funktionalität und erscheinen wie Skulpturen im Raum. Der dokumentarische Gestus wird dabei gebrochen zugunsten einer ästhetischen, fast meditativen Betrachtung. Brohms fotografische Sprache schafft so eine paradoxe Nähe: Als Betrachtende bleiben wir auf Distanz und fühlen uns dem Gezeigten zugleich merkwürdig verbunden.

Die Ausstellung wird gefördert von:

Teilen: