Ausstellung
Lara Dâmaso
For Our Flowing Voices; I Amphorae
07.09.2025 -
11.01.2026
Fünf mit Wasser gefüllte Amphoren stehen im Zentrum der von Lara Dâmaso (*1996 in Biel/Bienne) für die Klosterkirche konzipierten Installation For Our Flowing Voices; I Amphorae. Ihre Formen und Größen werden durch den Fluss der Stimme geformt, die fünf entsprechende Körperräume durchläuft: vom Becken bis zum Schädel.
Die Amphoren dienen als Resonanzräume, in denen Dâmasos aufgezeichnete Stimme Wasser in Bewegung versetzt. Schallwellen auf der Wasseroberfläche entstehen. Diese flüssigen Choreografien kulminieren in einer polyphonen Vokalkomposition, die die sichtbaren Wellen mit der Resonanz der Klosterkirche verschmelzen lässt.
Zögernd und ernst durchlaufen die Stimmen verschiedene emotionale und evolutionäre Zustände. Der Atem der vormenschlichen Verse vervielfacht sich in der Polyphonie, übersteigt die jugendlichen Klagen und gespenstischen Schreie, die Schwere der klanglichen Obszönitäten und die Leichtigkeit der Ahnungen.
Dâmasos Installation greift spirituelle Tradition auf, namentlich das Schaffen von Mechthild von Magdeburg (ca. 1207–1282). In ihrem Hauptwerk Das fließende Licht der Gottheit entfaltet sie eine Metaphorik des Fließens, die Körper, Raum und Transzendenz verbindet. Mit For Our Flowing Voices; I Amphorae entsteht eine Verbindung zwischen dem physischen Fluss der Stimmen, den materiellen Resonanzen der Skulpturen und dem historischen Ort, der in die poetische Erkundung des fließenden Wissens eintritt.
Die Stimme – Dâmasos zentrales künstlerisches Medium – ist mehr als ein Kommunikationswerkzeug. Die Künstlerin erforscht ihr expressives, therapeutisches und politisches Potenzial und stellt eine vibrierende Verbindung her, die mehr auf sinnlicher Erfahrung als auf Vernunft beruht. Auf diese Weise umgeht Dâmaso die Machtstrukturen, die im disziplinierten Gebrauch der Stimme verankert sind und hinterfragt die sozialen Gepflogenheiten, die häufig durch Sprechakte strukturiert werden.
Lara Dâmasos Arbeit umfasst vergängliche und dauerhafte Formen und nimmt durch die Medien Performance, Klang, Video, Näharbeiten, Skulptur, Fotografie und Text Gestalt an. Dâmasos Praxis konzentriert sich auf den sensiblen und vibrierenden Dialog zwischen Menschen und dem Raum, den sie bewohnen. Sie befasst sich mit der Vernetzung von Materiellem und Immateriellem und erforscht die direkte Beziehung zwischen der Bewegung der Stimme und der des Körpers. Diese Verbindung zielt darauf ab, eine direkte und emotionale Form der Kommunikation herzustellen. Ihr Ansatz basiert auf dem Konzept des Zuhörens als totaler Präsenz, die für die Aktivierung eines solchen Dialogs unerlässlich ist. Transformation, die Pluralität des Selbst, Fluidität und Interdependenz als Folgen dieses Austauschs bilden den Kern ihres kreativen Prozesses.
Nach mehreren Jahren intensiver Ausbildung in Ballett und zeitgenössischem Tanz besuchte Lara Dâmaso die Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig, wo sie Kunst und Medien studierte, und erwarb einen Bachelor of Fine Arts an der Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK).
Lara Dâmasos Arbeiten wurden in verschiedenen Institutionen und auf Festivals präsentiert, darunter Biennale Son, Kunsthalle Wien, Movement Festival, Eaton Hong Kong, Atonal Berlin, Basel Social Club, Triennale Milano, We Travel to Know Our Own Geography – Terraforma x Kuboraum (60. Kunstbiennale Venedig), DeSingel, Centre Pompidou, Tanzquartier Wien, Gessnerallee, Krone Couronne, Istituto Svizzero, Kunsthalle Bern, MASI Lugano, Kunsthaus Langenthal, Centre d’Art Contemporain Genève, Kunsthalle Zürich und Cabaret Voltaire.

