Ausstellung

Susan Meiselas

Mediations

18.10.2022 -
29.01.2023

Als die Fotografin Susan Meiselas 1979 in Nicaragua den Auslöser ihrer Kamera drückte und einen Mann einfing, der in der linken Hand das Gewehr, mit der rechten einen Molotow-Cocktail warf, schuf sie ein Kultbild der Revolution, das über die Jahrzehnte zu einem internationalen Symbolbild gegen Unterdrückung geworden ist, fest verankert im kollektiven Bildgedächtnis unserer Zeit und massenhaft reproduziert.

Susan Meiselas, Debbie and Renee, Rockland, Maine, 1972 © Susan Meiselas/ Magnum Photos

Susan Meiselas, die 1948 in Baltimore, Maryland geboren wurde, ist bekannt für ihren einzigartigen dokumentarischen Stil und ihre visuelle Form der Erzählung, in der sie Fotografie-Serien mit Interviews, handgemachten Büchern, Projektionen und Archivmaterialien zusammenführt.

Die Ausstellung zeigt das in den letzten 50 Jahren entstandene Werk der Fotografin, die seit 1976 bei der Fotoagentur Magnum unter Vertrag, eine der wenigen Frauen ist, die in den Krisen und Kriegsregionen der Welt unentwegt unterwegs war.

Von Porträts aus den 1970er Jahren, in denen sie die Ungleichheit der Lebensrealitäten in den USA dokumentiert, über intime Aufnahmen von Stripperinnen bis zu ikonisch gewordenen Bildern aus Krisen- und Konfliktgebieten reicht die Bandbreite ihrer Arbeit. Mit ihren Fotoserien, die sie nicht selten als Langzeitstudien anlegt, umfasst die US-Amerikanerin ein breites Spektrum an Themen und erzeugt Aufmerksamkeit für Minderheiten und weltweite kriegerische Auseinandersetzungen, wie die Revolution in Nicaragua gegen die Militärdiktatur der Somoza, den Bürgerkrieg in El Salvador oder den Völkermord an der kurdischen Bevölkerung im Nordirak unter dem Regime von Saddam Hussein.

Die Ausstellung Susan Meiselas „Mediations“ wurde erstmals 2018 im Jeu de Paume, Paris, später in Barcelona, Wien und zuletzt im C/O Berlin gezeigt. Sie umfasst rund 600 Fotografien und Video-Installationen aus den 1970er-Jahren bis heute und entstand in Zusammenarbeit mit Magnum Photos und C/O Berlin.

 

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Die Ausstellung wird gefördert von:

Ausstellung

Archiv Einsdreissig

Monika Huber

07.03.2023 -
25.06.2023

Eine Minute und dreißig Sekunden. Das ist die durchschnittliche Länge eines Beitrags in einem Nachrichtenblock wie in den "Tagesthemen" oder dem "Heute Journal". Monika Huber (* 1959) erstellt seit Anfang 2011, mit dem Beginn des „Arabischen Frühlings“, ein digitales Archiv aus Nachrichtenbildern - das Archiv Einsdreissig.

Es dokumentiert den weltweiten politisch-gesellschaftlichen Wandel in seiner medialen Spiegelung und bildnarrativen Konstruktion.
Als Langzeitdokumentation konzipiert, umfasst es derzeit etwa 40 000 Fotografien. Aus diesen hat Huber Bilder ausgewählt, sie durch Übermalung oder Überzeichnung bearbeitet oder in ein Video transformiert.

Dabei greift die Künstlerin die gewöhnlich in der täglichen Nachrichtenflut untergehenden Bilder auf, um sie mittels Bearbeitung neu sichtbar, erfahrbar und reflektierbar zu machen. Die von ihr ausgewählten Medienbilder zeigen immer wieder Menschen als protestierende und revoltierende Akteure, als Subjekt und Objekt politisch-öffentlicher, oft gewaltsamer und kriegerischer Ereignisse.

Monika Huber (* 1959 in Dingolfing) studierte Malerei an der Akademie der Bildenden Künste München bei Günter Fruhtrunk. Sie schloss 1985 das Studium mit dem Meisterschülerdiplom für Malerei und Grafik ab. Ihre Arbeiten werden seit 1983 in zahlreichen Galerie-Ausstellungen, Museumspräsentationen, architekturbezogenen Installationen und öffentlichen Interventionen gezeigt. Monika Huber lebt und arbeitet in München.

Ausstellung

Neupräsentation der Sammlung

17.09.2022 -
31.12.2023

Mit dem neuen Ausstellungsgeschoss im Nordflügel erhielt das Kunstmuseum Magdeburg mehr Platz für die Kunst. Ein großes Mansarddach aus Messing überspannt von der Stadtseite aus den Neubau, während die Innenseite zum Klosterinnenhof den mittelalterlichen Kubaturen folgt und sich in das Erscheinungsbild des Kreuzgangs einfügt.

Große Fenster öffnen den Blick aus dem neuen Ausstellungsraum in die Stadt und ermöglichen, die Kunst in den lichtdurchfluteten Räumen in Szene zu setzten.

Die Ausstellungsfläche bietet Platz, das Ergebnis der Sammeltätigkeit der letzten 20 Jahre zu präsentierten - vornehmlich Werke internationaler Gegenwartskunst der Malerei und Fotografie. Dazu zählen Werke von Liliane Tomasko, Sven Johne, Brian Eno, Xanti Schwawinsky, Alica Paz und Peter Herrmann.

Im Zuge der Bauarbeiten im Nordflügel des Kunstmuseums wurde auch das Obere Tonnengewölbe bzw. ehemalige Refektorium saniert, hier wird wie zuvor die internationale Kunst nach 1945 ihren Platz finden.

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Ausstellung

Zandile Tshabalala

In Search of my Mother's Garden

10.07.2022 -
31.10.2022

Zandile Tshabalalas Gemälde erzählen Geschichten von Leichtigkeit, Stärke und Selbstvertrauen - von Frauen ihresgleichen in den 2020er Jahren: jung und Schwarz.

Zandile Tshabalala, Lounging I: G fabulous, 2021, Acryl auf Leinwand, Foto: Simon Vogel, Courtesy: Galerie Nagel Draxler Berlin/ Köln/ München
Zandile Tshabalala, the act of self love: cleansing, 2021, Acryl auf Leinwand, Foto: Simon Vogel

Die südafrikanische Künstlerin gehört zu einer neuen Generation, die in den letzten Jahren die figürliche Malerei als Ausdrucksmöglichkeit für sich entdeckt und neu interpretiert hat. Ausgehend von ihrer eigenen Selbstbestimmtheit schafft sie Selbstbilder von Frauen, die ihre schwarze Identität feiern und vom oft üblichen Narrativ über Schwarze Frauen abweichen, ob ganz entspannt beim Lesen, beim Herumalbern mit Freundinnen oder in intimen Situationen.

Tshabalalas Figuren sind farbige, kraftvolle Darstellungen ihrer Alltagswelt. Oft stehen gezielt gesetzte Primärfarben den tiefschwarzen, flachen, kaum ausgearbeiteten Gesichtern der Figuren entgegen und bezeugen einen selten gesehenen, spontanen, freien und erfrischenden Umgang mit Farbe.

Zandile Tshabalala (geb. 1999) lebt und arbeitet in Soweto, Johannesburg, Südafrika. 2021 erhielt sie das Kaiserringstipendium des Mönchehaus Museums Goslar. Ihre Werke waren bisher u.a. in Ausstellungen in Südafrika, Ghana, Nigeria, Großbritannien und Deutschland zu sehen.

 

Die Ausstellung wird gefördert von:

Publikation zur Ausstellung:

Zandile Tshabalala
Hrsg. von Bettina Ruhrberg und Annegret Laabs
Text dt/engl.: Bettina Ruhrberg, Annegret Laabs, Naïla Opiangah
Übersetzung: Josephine Cordero Sapién
106 S., zahlreiche Abb., Softcover
VfmK Verlag für moderne Kunst GmbH
ISBN 978-3-903439-38-2
Preis: 24,00 Euro

Ausstellung

Das Land

Fotografie

28.06.2022 -
03.10.2022

STEPHANIE KIWITT/ JENS KLEIN/ MATTHIAS ZIELFELD

Fotografien sind Untersuchungen unserer Lebensrealität – sei es in den Weiten der Provinz, in der sozialen Interaktion oder in den Bildwelten der Vergangenheiten.
Stephanie Kiwitt, Jens Klein und Matthias Zielfeld nähern sich diesen Erkundungen mit verschiedenen Mitteln der Fotografie, ohne dabei das Dokumentarische, Nüchterne und Unbearbeitete aus den Augen zu verlieren. Sie erzeugen eine Nähe zum Objekt und vermitteln doch den Eindruck von Distanz. Die unterschiedlichen Serien der Künstler*innen gewähren mittels der Fotografien des Urbanen, des menschlichen Miteinanders und von Archivfotos ein Blick auf „DAS LAND“

In den ihren ortsbezogenen Arbeiten entwickelt Stephanie Kiwitt (geb. 1972 in Bonn, lebt in Halle) jeweils spezifische fotografische Sichtweisen und überführt diese in verschiedene Strukturen der Präsentation. Kiwitts Interesse liegt in der sorgfältigen Analyse alltäglicher Orte (Parkplätze, Fitnesscenter, Discounter), die Phänomene unserer Zeit repräsentieren. Mit den aktuellen Arbeiten, „Flächenland" und „fortlaufend" (beide 2022), stellt Kiwitt landschaftliche Räume und Ausschnitte architektonischer Flächen einander gegenüber und setzt somit subjektive Erzählungen und Aufnahmetechniken miteinander ins Verhältnis. Die sich aufeinander beziehenden Serien zeigen durch ökonomische und gesellschaftliche Prozesse geschaffene Lebensräume in Sachsen-Anhalt, deren Umgestaltung andauert. Die installative Präsentation wurde eigens für den Ausstellungsraum entwickelt.

Jens Klein (geb. 1970 in Apolda, lebt in Leipzig) arbeitet als Fotograf zumeist mit gefundenen Bildaufnahmen. Er stellt seine Bildreihen aus den Materialien fotografischer Archive zusammen und entwickelt eigene fotografische Erzählungen. Er dokumentiert und hinterfragt den Gebrauch oder auch Missbrauch von Fotografie. Keine der von Klein genutzten Aufnahmen entstanden mit künstlerischen Ambitionen, oft bleiben die Fotograf*innen anonym. Nicht selten waren es praktische Interessen, diese Bilder aufzunehmen, zumeist, um Personen, Szenen, Objekte für die Erinnerung festzuhalten.
So kann die Fotoserie „Bewerberinnen/Bewerber“ (2017) als ein historisches Dokument, das die Geschichte der Fotografie widerspiegelt, gelesen werden. Passbilder von Stipendiat*innen aus dem Archiv des Evangelischen Studienwerks Villigst e. V. von 1950 bis 2012 zeigt die Reihe und verdeutlicht, wie sich die Selbstdarstellung und das Medium Fotografie verändert haben: von schwarz-weiß zur Farbe, vom analogen hin zum digitalen Medium, vom aufwendigen Studiobild zum schnellen Automatenfoto.

Auf den ersten Blick haben die Entstehungsmethoden der Bildessays von Matthias Zielfeld (geb. 1976 in Esslingen am Neckar, lebt in Leipzig) aktionistische Züge. „das heft deutschland 6“ zum Beispiel zeigt Aufnahmen aus einer Aldi-Filiale in Leipzig: Menschen, die in Zeitungen stöbern, Einkaufszettel überprüfen, an der Kasse anstehen oder Zutatenlisten lesen. Es sind Momente des banalen Alltäglichen, die Zielfeld einfängt. Tatsächlich aber geht es dem Fotografen darum, das Klima sozialer Räume und sozialen Verhaltens mit der Kamera auszutesten und fotografisch zu reproduzieren. Seine fotografischen Streifzüge führen ihn gezielt über bevölkerte Plätze, an Straßenkreuzungen oder über Baustellen.
Zielfeld überschreibt seine Fotoserien mit „das heft deutschland“, wobei jede Reihe ihr eigenes Konzept besitzt. „In jeder Ausgabe biete ich einen jeweils spezifischen Blick auf etwas, das ich mit „deutschland“ betitele. Ich erwarte eine Interferenz zwischen dem Titel und dem Inhalt der jeweiligen Ausgabe.“ Matthias Zielfeld

Die Ausstellung wird gefördert von:

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Matthias Zielfeld, aus das heft deutschland 10, 2010/12
Stephanie Kiwitt, aus der Serie "Flächenland", 2022
Stephanie Kiwitt, aus der Serie "Flächenland", 2022
Stephanie Kiwitt, aus der Serie "Flächenland", 2022

Ausstellung

Die Pendlerinnen

Eléonore de Montesquiou

09.07.2022 -
28.08.2022

Eléonore de Montesquiou schildert den Alltag junger Frauen aus der polnische-deutschen Grenzregion. In sensiblen Beobachtungen dokumentiert sie eine Lebenswirklichkeit in Deutschland, die nicht gesehen und nicht registriert wird, obwohl sie zu den Gegebenheiten unserer Zeit gehört.

Das aus West und Ost schnell zusammenwachsende Europa und der zunehmende Wegfall nationaler und regionaler Souveränitäten in Politik und Wirtschaft halten für den damit verbundenen kulturellen Wandel oftmals nur subventionierte Großveranstaltungen bereit. Alte und neue kulturelle Traditionen und Lebensgewohnheiten verbleiben im toten Winkel öffentlicher Wahrnehmung, soweit sie sich nicht folkloristisch-touristisch kommerzialisieren lassen.

Eléonore de Montesquiou zeigt die selten thematisierte Wirklichkeit ihrer eigenen Generation, für die der Wandel und ein Leben im Transit Normalität ist.

Eléonore de Montesquiou wurde 1970 in Paris geboren und lebt und arbeitet in Berlin. In den filmischen Arbeiten der Französisch-Estnischen Künstlerin im dokumentarischen Stil wird ihre Kamera zu „der Stimme, dieser stimmenlosen Menschen“, welche sie zeigt, schreibt der Kritiker Thibaut de Ruyter.

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Ausstellung

John Smith

Waldeinsamkeit

08.03.2022 -
06.06.2022

FILME DES 21. JAHRHUNDERTS

Filmemacher*innen sind Beobachter*innen. In seiner typischen Dramaturgie, welche dokumentarisches Material experimentell aufbricht und mit humoristischen Elementen unterlegt, entwickelt John Smith filmische Erzählungen, in welchen die gegebene Realität ins Wanken gerät und Alternativen durchgespielt werden.

Darin äußert sich immer wieder subtil die Frage nach dem einzelnen Menschen und seinem Ort in der Welt. Nach wie vor entstehen die Videos von John Smith vorwiegend allein und mit relativ geringem technischem Aufwand, allerdings hat sich das Blickfeld seiner Kamera inzwischen weit über London hinaus geweitet. Seine aktuellen Filme beschäftigen sich oft mit politischen Ereignissen der Welt, aber er findet seine Themen weiterhin in persönlichen Erfahrungen und im Alltag.

Die Ausstellung ist die zweite Begegnung mit dem filmischen Werk von John Smith im Kunstmuseum Magdeburg. Seit der Kurz- und Experimentalfilmer 2005 in Magdeburg seine erste Einzelausstellung in einem Museum überhaupt hatte, ist sein Name aus dem internationalen Kunst- und Museumsbetrieb nicht mehr wegzudenken. Wenngleich seine Arbeitsweise sich inzwischen nicht grundsätzlich verändert hat, wird er heute als Videokünstler angesehen, der mit seinen Filmen maßgeblich am historischen Erfolg der Entwicklung von Videokunst beteiligt war und immer noch ist. Der Schwerpunkt der aktuellen Präsentation liegt auf den beiden letzten Jahrzehnten.

John Smith, Horizon (Five Pounds a Belgian), 2012
John Smith, Covid Messages (Still), 2020

John Smith wurde 1952 in Walthamstow, London, geboren. Er studierte an der North-East London Polytechnic und dem Royal College of Art. Seine frühen Arbeiten sind von der Konzeptkunst und dem Strukturellen Film inspiriert, ebenso faszinierte ihn die immersive Macht des Narrativs und des gesprochenen Worts. Daraus entwickelte er ein vielfältiges Œuvre, welches die wahrgenommenen Grenzen zwischen dem Dokumentarischen, Fiktion, Repräsentation und Abstraktion unterwandert. Oft im Alltag verwurzelt, erkunden und entlarven seine akribisch gestalteten Filme spielerisch die Sprache des Kinos.
Heute lebt und arbeitet Smith in London. Er ist emeritierter Professor of Fine Art der University of East London.

Seit 1972 hat Smith über 60 Film-, Video- und Installationsarbeiten gemacht. Für sie erhielt John Smith bedeutende Preise von internationalen Film Festivals in Oberhausen, Leipzig, Hamburg, Stuttgart, Graz, Genf, Uppsala, Pamplona, Bordeaux, Lucca, Palermo, Split, Cork, Seoul, Ann Arbor und Chicago. Ihm wurde der Paul Hamlyn Foundation Award für Künstler in 2011 verliehen, und in 2013 war er der Gewinner des Film London's Jarman Award. Sein Werke befinden sich in zahlreichen Museumssammlungen.

Die Ausstellung wird gefördert von:

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Publikation zur Ausstellung:

John Smith - Waldeinsamkeit. Films from the 21st Century
Hrsg. von Annegret Laabs und Uwe Gellner
Text dt/engl.: Erika Balsom, Annegret Laabs, Dana Margarete Adele Bulic, Uwe Förster, Uwe Gellner, Theresia Ilchmann
Übersetzung: Michael Wetzel (ins Englische), Logan Kennedy & Leonhard Unglaub, adrem (ins Deutsche)
120 S., zahlreiche Abb., Softcover
VfmK Verlag für moderne Kunst GmbH
ISBN 978-3-903572-94-2
Preis: 25,00 Euro

Ausstellung

Frieder Heinze

Kopfüber - Kopfunter

08.03.2022 -
06.06.2022

Die Bilder Frieder Heinzes scheinen ein Fenster in eine Art Paralleluniversum zu öffnen. Merkwürdige Wesen bevölkern es. Kleine Monster blicken uns aus großen, runden Augen an, Autos fliegen herum, Tiere gesellen sich dazu. Die Werke Frieder Heinzes sind richtungslos – Kopfüber-Kopfunter.

Frieder Heinze wurde 1950 in Leipzig geboren und lebt seit 1991 in Großpelsen, Leisnig. Er studierte an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig bei Werner Tübke und Wolfgang Mattheuer, wurde anschließend Meisterschüler bei Tübke und Bernhard Heisig. Ab 1977 beginnt Heinze mit bildhauerischer Arbeit bei Günther Huniat und arbeitet freischaffend in Leipzig. Schon zu Studienzeiten knüpfte Heinze intensive künstlerische Kontakte zu „unangepassten“ Künstlern und war 1984 Mitinitiator der wohl bedeutendsten non-konformen Ausstellung in der DDR, dem 1. Leipziger Herbstsalon.

Die Werke Frieder Heinzes laden dazu ein, seine eigenen Geschichten in den Bildern zu lesen. Sie mögen auf den ersten Blick kindlich-naiv anmuten, doch die rätselhafte Zusammensetzung von Figur, Form und Farbe lässt alles offen, macht jedes Bild zu einem Rätsel, das sein Geheimnis nie preisgeben wird.

Kinder der Kinder.Kunst.Klassen haben sich die Werke von Frieder Heinze genauer angeschaut und ihre eigenen Geschichten zu den Werken geschrieben und vorgelesen. Geschichten anhören

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Ausstellung

Dieter Goltzsche

Landschaft mit Litfaßsäule

26.09.2021 -
20.02.2022

Dieter Goltzsche ist Zeichner. Seine Bildwelt entfaltet sich auf vergleichsweise kleinen Formaten, eben auf Papier. Doch das Format begrenzt nicht seinen Zeichenstil, der schrankenlos in der erfindungsreichen Anwendung zeichnerischer Mittel ist – so als würden es weit mehr als die Dinge vor unseren Augen sein, die seine Zeichenkunst inspirieren.

 

Eine bemerkenswert große Auswahl von Zeichnungen, Aquarellen, Lithografien und Siebdrucken hat Dieter Goltzsche dem Kunstmuseum Magdeburg als Schenkung offeriert. Fast 300 seiner Werke sind in der Ausstellung „Landschaft mit Litfaßsäule“ zu sehen. Die gezeigten Arbeiten illustrieren das umfangreiche, über sechs Jahrzehnte währende Schaffen Goltzsches, angefangen bei seiner Diplomarbeit „Ballett“ von 1957 bis hin zu Tempera und Tusche-Arbeiten, die 2021 entstanden sind.

Vertiefen wir uns in die Zeichnungen und Grafiken von Dieter Goltzsche und entdecken darin zuweilen Anspielungen, beispielsweise auf Max Beckmann, Henri Matisse, Pablo Picasso oder Paul Klee, dann sind das Indizien bewusster Verehrung, die der Zeichner sich zugesteht. In vergleichbarem Bekenntnis zur zeitgenössischen Literatur und zur Musik scheinen ihm ebenso beispielsweise die bildhafte Sprache Gottfried Benns oder Federico García Lorcas und die Klangfolgen und Rhythmen Eric Saties in die zeichnende Hand zu spielen.

Dieter Goltzsche, Südlicher Strand, 1971 © VG Bild-Kunst Bonn, 2021

Neben der ausgeprägten Beobachtungsgabe äußern diese Blätter das feine Gespür ihres Autors, bis in die Tiefen der Gesellschaft zu blicken. Was sich auf Dieter Goltzsches Zeichnungen und Grafiken darstellt, ist alles andere als die sture Auflistung der äußeren Welt mittels Linien und Bildmustern auf Papier, vielmehr begegnet den Betrachter*innen das unvorhersehbare Leben in all seinen Aspekten im Ausdruck erfindungsreicher Bildpoesie. Der Moment der Zeichnung wirft mit wenigen Linien und Notizen ein Licht auf das Leben. So auch mit der Lithografie „Landschaft mit Litfaßsäule“, die der Ausstellung ihren Titel gibt. Neben Porträts und Landschaften sind es humorvolle, zum Teil kuriose Motive, die Gegenstand seiner Arbeiten sind.

Der 1934 in Dresden geborene Künstler studierte bei Hans Theo Richter und Max Schwimmer an der Hochschule für Bildende Künste Dresden. Als Meisterschüler der Akademie der Künste kam er 1958 nach Berlin, wo er seither lebt. Seit 1990 ist er Mitglied der Akademie der Künste Berlin. Von 1992 bis 2000 war er Professor für Malerei und Grafik an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee. Goltzsche erhielt zahlreiche Auszeichnungen u.a. den Käthe-Kollwitz-Preis der Akademie der Künste der DDR, den Hannah-Höch-Preis des Landes Berlin sowie den Hans Theo Richter-Preis der Sächsischen Akademie.

Mit Dieter Goltzsche würdigt das Kunstmuseum Magdeburg erneut in umfassender Weise ein Lebenswerk, dessen selbstbestimmter Ausdruck in der DDR keineswegs selbstverständlich war. Wie beispielsweise Max Uhlig, Werner Stötzer, Peter Herrmann oder Horst Bartnig, deren Schaffen das Kunstmuseum in der Vergangenheit vorstellte, ist Dieter Goltzsche dem singulären Kreis einer Künstlergeneration zuzurechnen, die sich mit Konsequenz den Bedrängnissen des Realismus in der DDR verweigerte, und der es gelang, über den eng gezogenen Rand des politischen Alltags hinaus an der Moderne, also am autonomen künstlerischen Denken, festzuhalten.

Es verleiht der Ausstellung in Magdeburg besonderes Gewicht, dass Dieter Goltzsche sämtliche darin gezeigten Werke dem Kunstmuseum Magdeburg übereignet. Seine Blätter bereichern die Sammlung des Kunstmuseums mit einer substanziellen kunstgeschichtlichen Position.

Die Ausstellung wird gefördert von:

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Ausstellung

Hans-Wulf Kunze

Fischfabrik, 1985-1990

26.09.2021 -
20.02.2022

Die Zeichen der Zeit sind noch andere, als Hans-Wulf Kunze den speziellen Ort auswählt, um seine fotografischen Untersuchungen über die Arbeit in der Industrie fortzuführen: Es ist der VEB Fischindustrie Magdeburg, Große Diesdorfer Straße.

 

Seine Aufnahmen zeigen ausschließlich junge Menschen. Vergleichbare Bedingungen von Ausbildung und Produktion, wie auf diesen Bildern, sind damals nichts Ungewöhnliches und doch öffnen diese Schwarzweiß-Aufnahmen heute den Blick in eine kaum noch greifbare Vergangenheit.

Nichts ist oder wirkt inszeniert – die weiß gekachelten Räume, die großen Igelit-Schürzen der jungen Frauen und Männer, das laute Scharren der Gitterboxen, das Spritzwasser beim Abbürsten der Wände, das Keuchen bei der Arbeit und der allgegenwärtige Geruch. Alles ist präsent, auch was sich außerhalb des sichtbaren Bildausschnitts der Kamera abspielt.

In teils faktischer, teils expressiver Nahsicht dient alles auf diesen Fotografien dazu, den Platz der jungen Menschen hier zu beschreiben; irgendwie verloren, selbst aus dieser Nähe betrachtet. Die geringe Distanz zur Kamera, bezeugt auch eine Vertrautheit zwischen ihnen und dem Eindringling, dem Fotografen, wie sie heute schwerlich vorstellbar ist. Die Wertung des Fotografen zeigt sich in der kritischen Genauigkeit seiner Beobachtungen, in seiner Achtung vor der Leistung schwerer Arbeit, was die behutsame Schilderung dieser jungen Arbeiter*innen bezeugen, die um ihren Selbstanspruch im Leben ringen. Im offenen Blick in seine Kamera finden wir diese Frage an ihre Zukunft festgehalten.

Die Aufnahmen lassen sich nicht dokumentarisch aneinanderreihen, vielmehr im persönlichen Empfinden für die damalige Situation im Ausblick des endlos wiederkehrenden Alltags, der von ihrem Leben bereits Besitz ergriffen hat. Was niemand und auch Hans-Wulf Kunze nicht ahnen konnte: Er fotografierte zuletzt in den Umbruch hinein, der für viele Arbeitsfelder zunächst den Abbruch bedeutet, und der auch für die Fotografie veränderte Regeln mit sich brachte. Nie wieder konnte der Fotograf später diese Nähe zu laufenden Produktionsabläufen in Magdeburg herstellen. Hans-Wulf Kunze ist kein Unbekannter in seiner Heimatstadt. Diese Serie wird nach drei Jahrzehnten erstmals in diesem Umfang öffentlich gezeigt. Sie ist eine Schenkung an das Kunstmuseum.

Die Ausstellung wird gefördert von:

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