Ausstellung

Grace Weaver

Prélude

10.03.2026 -
16.08.2026

Grace Weaver (*1989 in Vermont, USA) ist eine der interessantesten jungen Malerinnen der Gegenwart. Mit ihren überlebensgroßen Gemälden sucht sie nach Möglichkeiten, die menschliche Form neu auszuloten, und verleiht der figürlichen Malerei des 21. Jahrhunderts neue Impulse.

 

Grace Weaver, Allegro ma non troppo (After Dvořák’s American Quartet), 2024, Acyrl auf Leinwand, 228 x 172 cm., © Grace Weaver, courtesy the artist and Galerie Max Hetzler Berlin | Paris | London | Marfa.

Die Ausstellung „Prélude“ zeigt Arbeiten der Werkgruppen Flower (2024) und Mothers (2025). Beide verbindet ein konzentriertes Interesse an Linie, Haltung und malerischer Geste.

In der Serie Flower erscheinen die Blumen als körperhafte, fast figürliche Formen, aufrecht stehend, herabhängend oder in einem Gewirr von Stielen verflochten, die zwischen Abstraktion und emotionalem Ausdruck oszillieren. Monumentale Bilder archetypischer Szenen stellt die Serie Mothers dar: Mütter mit Kindern und weibliche Akte. Weavers Gemälde greifen Motive aus verschiedenen Epochen wie antike Terrakottafiguren, Cranachs Madonnen oder ägyptische Statuetten auf und die Körperhaltungen erinnern an ikonische Darstellungen von Eva oder Aphrodite. Im Gegensatz zu ihren kunsthistorischen Vorgängerinnen bewegen sie sich jedoch nicht in einer Sphäre unantastbarer Schönheit, sondern vermitteln einen zeitgenössischen Zugang zu Identität, Körperlichkeit und weiblicher Erfahrung, der zwischen Selbstschutz und Offenheit changiert.

Leihgaben: Galerie Max Hetzler Berlin | Paris | London | Marfa und Soy Capitán, Berlin

 

Abb: Grace Weaver, Untitled (Mother and Child), 2025, Acryl auf Leinwand, 300 x 500 cm
© Grace Weaver, courtesy the artist and Galerie Max Hetzler Berlin | Paris | London | Marfa.

 

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Ausstellung

Itamar Gov

THE RHINOCEROS IN THE ROOM

27.01.2026 -
05.07.2026

Oder: Ein Märchen von Banalität und Bösem

Die Installation eines überlebensgroßen Rhinozeros versperrt den Blick und den Gang durch den mittelalterlichen Kirchenraum. Das friedfertige Tier, das den Raum ausfüllt, wird begleitet von einer polyphonen Klangkomposition.

 

Itamar Gov, The Rhinoceros in the Room, 2025 © Itamar Gov

Spätestens seit dem berühmten Stich von Albrecht Dürer ist das Nashorn (Rhinozeros) als Sinnbild imperialer Macht eng mit Europa verbunden. Mit Horn und Panzerung zog das Relikt eines Urviechs die Blicke der Schaulustigen und mächtiger Potentaten auf sich. Doch der halbblinde Mehrtonner, dickhäutig und standsicher – von den Menschen fast ausgerottet – ist aufgrund seiner sensiblen Natur auch eine Gefahr für den Menschen. Auf dieser Ambivalenz beruht die Installation des „Rhinozeros im Raum“, verbindet historische Ereignisse, philosophische Ideen und lokale Legenden und hinterfragt die fragilen Grenzen zwischen Fakt und Fiktion, Erinnerung und Vorstellung.

Aus einer raumfüllenden Mehrkanalkomposition von Bruno Delepelaire für acht Celli (Bruno Delepelaire und Moritz Huemer) und Gesang (Noa Beinart) hören wir klassische Melodien oder ein beruhigendes Wiegenlied heraus, erkennen Textzeilen aus Goethes Erlkönig und erhaschen Klänge aus dem hebräischen Hitragut von Paul Ben-Haim. Die beiden „Welten" von Erlkönig und Hitragut bilden eine Art Dialog, ein Gute-Nacht-Lied und ein gruseliges Märchen, was ständig zwischen sanfter Beruhigung und alarmierendem Horror hin- und her wechselt.

Vor dem Hintergrund eines in den 1950er Jahren entstandenen Theaterstücks von Eugène Ionescos, in dem die Verwandlung der Menschen in Nashörner als Metapher für gesellschaftliche Konformität und Widerstand steht, und der Existenz der hebräischen Formulierung „sich zu rhinocerosieren”, um den Prozess zu beschreiben, durch den Individuen und Gesellschaften autoritären Strömungen folgen und gegenüber den gewalttätigen Auswirkungen solcher Entwicklungen gleichgültig werden, wird diese Installation zu einem Projekt, das sich mit Themen wie Mythos, Autoritarismus und demokratischer Resilienz auseinandersetzt. Traum und Alptraum breiten sich im Kirchenschiff aus und verbinden sich mit dem Untertitel der Installation, die mahnend an den Ausspruch die „Banalität des Bösen“ von Hannah Arendt als Ausdruck totalitärer Herrschaftssysteme erinnert.

Itamar Gov, geboren 1989 in Tel Aviv, lebt seit 2010 in Berlin, studierte Filmwissenschaft, Literatur und Geschichte in Bologna, Berlin und Paris. Gov hat seine Arbeiten in zahlreichen Institutionen auf der Welt präsentiert und war Artist-in-Residence unter anderem an der Cité internationale des arts, dem Nordic Artists' Centre, und 2025 der Casa Baldi Rom.

Ein Projekt im Zuge des Programms Herausgeforderte Gemeinschaft / Challenged Togetherness

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Ausstellung

Das geteilte Jetzt

The Shared Now

28.04.2026 -
06.09.2026

Was heißt es, heute im Hier und Jetzt zu leben – und zeitgleich unterschiedliche Gegenwarten zu erfahren? In einer Zeit beschleunigter Informationen, ständiger gesellschaftlicher Umbrüche und individueller Positionierungen tritt das Verhältnis von persönlicher Erfahrung und kollektiver Wirklichkeit auch in den Werken der Künstler*innen sichtbarer als je zuvor in den Fokus. Vor dem Hintergrund multipler Krisen – ökologisch, politisch, sozial – wird das ständige Neuverhandeln zwischen Kunst und Leben mehr und mehr zum Thema der Kunst.

Christiane Möbus, Sisyphos (1970/2025). Filmstill, Foto: Studio Christiane Möbus © VG Bild-Kunst, 2026
Susie Hamilton, Box 10 aus der Serie: Underground (2025), Acryl und Ölstift auf Karton © Paul Stolper Gallery
Marcel Odenbach, Im Schiffbruch nicht Schwimmen können (Filmstill), 2011 © Marcel Odenbach, VG Bild-Kunst, 2026

Wie nehmen Künstler*innen heute die Gegenwart wahr, verhandeln und interpretieren sie ihre alltäglichen Erfahrungen? Demokratien verwandeln sich in autoritäre Regime, die jeden Widerstand effektiv bekämpfen, die Weltordnung ist ins Wanken geraten und die Beschleunigung unseres Lebenstempos führt zu einer verzerrten Beziehung zwischen dem Selbst und der Welt. Der Mensch erlebt eine zunehmende Entfremdung von sich selbst, die sich nicht nur auf individueller Ebene, sondern auch in seinem Verhältnis zu sozialen Strukturen und der Umwelt manifestiert. Diese Entfremdung ist vielschichtig: Sie betrifft die soziale Dimension, aber ebenso die Beziehung zu Raum, Zeit, Dingen und den eigenen Handlungen.

Kunst überschreitet Grenzen, verbindet Räume und Zeiten und vermischt Realität mit Fiktion. Künstler*innen hinterfragen unsere Gegenwart, setzen sich immer wieder intensiv mit den physischen, emotionalen und ästhetischen Grenzen auseinander, die das individuelle und gesellschaftliche Leben prägen. Indem sie diese Grenzen ausloten und überschreiten, richten sie ihren Blick gezielt auf die Mechanismen und Logiken politischen und individuellen Handelns.

In den künstlerischen Beispielen der Ausstellung geht es um die Fragilität von Freiheit und Menschlichkeit, um persönliches Engagement, um Verantwortung. Angesichts der Klimakrise, von Kriegen und wachsender sozialer Ungleichheit werden auch in der Kunst tiefgreifende Erfahrungen beschrieben. Wie Sisyphos kämpft der Fallschirmspringer im Video von Christiane Möbus gegen den Wind, der als Sinnbild realer und unmittelbarer Bedrohung der menschlichen Freiheit und der Gesellschaft steht.

Auch andere ausgewählte Positionen, ob  Malerei, Video oder Skulptur und Fotografie, zeigen, dass Gewissheiten nicht neutral sind, sondern aus subjektiven Blickwinkeln entstehen. Das „Jetzt“ erscheint dabei nicht als stabiler Zustand, sondern als fragiler, geteilter Moment – geprägt von individuellen Stimmen, Haltungen und Wahrnehmungen. Das geteilte Jetzt lädt dazu ein, Gegenwart als etwas Vielstimmiges zu begreifen und die eigene Position darin neu zu reflektieren.

Künstler*innen: Emma Adler, Vasil Berela, Judith Blum Reddy, Kurt Buchwald, Göran Gnaudschun, Susie Hamilton, Mathilde Tijen Hansen, Susann Maria Hempel, Anna Jermolaewa, Sven Johne, Roman Khimei & Yarema Malashchuk, Christiane Möbus, Marcel Odenbach, Ulf Puder, Baldur Schönfelder, Igor Simić

 

Abb: Yarema Malashchuk und Roman Khimei, You Shouldn’t Have to See This, 2024, Installationsansicht im Hannover Kunstverein, Foto: Mathias Völzke

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Veranstaltung

Sonntagsführung

15 Uhr

12.04.2026 -
12.04.2026

Vom Brunnengeist bis in den Himmel - unterwegs im Skulpturenpark mit Dr. Uwe Förster

Der Skulpturenpark um das Kunstmuseum Magdeburg Kloster Unser Lieben Frauen geht auf die späten 1980er Jahre zurück: Den Freiflächen, die sich vom Breiten Weg bis an die Elbe erstrecken, sollte eine attraktive Bestimmung gegeben und gleichzeitig ausgewählte Kunstwerke der Sammlung einer erweiterten Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Die Entstehungszeit der ca. 50 Skulpturen spannt sich von der Mitte des 20. Jahrhunderts bis in die unmittelbare Gegenwart.

 

Veranstaltung

Mama. Madonna. Rabenmutter

19 Uhr

08.04.2026 -
08.04.2026

Mütterbilder heiß umkämpft - Zeitgenössische Künstlerinnen räumen auf mit dem Super-Mama-Klischee

3sat-Kulturdoku von Janine Renner, 2025
eine Filmvorführung im Rahmen der Ausstellung "Grace Weaver. Prélude"

Wie sollte eine Mutter sein? Diese Frage ist heiß umkämpft – im Netz bei der Debatte um Tradwives und Momfluencerinnen, aber auch in der Bildenden Kunst. Das über Jahrhunderte gepflegte Mutterbild in der Kunst hat auch gesellschaftlich unsere Vorstellung von einer "guten Mutter" bis heute geprägt: angefangen bei Maria, der heiligen Mutter Gottes, bis hin zum Ideal des 18. Jahrhunderts. Seitdem hieß es, die Natur sehe die Rolle der Frau als fürsorgliche Mutter vor. Wird diese Rolle jetzt im Netz weiter fröhlich gepriesen? Wie widersetzen sich Frauen dem Erwartungsdruck?

Abb: © Studio Rachel Maclean, 3sat, Janine Renner

Veranstaltung

Kunst und Kinderwagen

10 Uhr

15.04.2026 -
15.04.2026

Kunstgenuss mit Baby

Mit „Kunst und Kinderwagen“ lädt das Kunstmuseum zu einer entspannten Kunstpause für Eltern, Großeltern und alle Menschen, die Pflegearbeit leisten, und ihre Babys bis zu einem Jahr ein. In ruhiger Atmosphäre werden aktuelle Ausstellungen gemeinsam entdeckt; ganz ohne Zeitdruck und mit Raum für die Bedürfnisse der Kleinsten.

Den Auftakt bildet eine Führung durch die Ausstellung „Grace Weaver. Prélude“, in der unter anderem Werke aus der Serie „Mothers“ gezeigt werden. Auf monumentalen Leinwänden sind Mütter mit Kindern ebenso zu sehen, wie weibliche Körper. Die Frauen umarmen, schwanken, knien und wiegen ihre Kinder – eine visuelle Mischung aus Intimität und Erschöpfung: Kernaspekte von Mutterschaft.

„Kunst und Kinderwagen“ findet jeden dritten Mittwoch im Monat um 10 Uhr statt. Die Führungen sind speziell auf Eltern mit Kinderwagen oder Trage abgestimmt. Stillen, Füttern und Brabbeln sind ausdrücklich willkommen. Im Mittelpunkt stehen der gemeinsame Austausch über Kunst, ein Moment des Innehaltens im Alltag und der Austausch mit Gleichgesinnten.

Ausstellung

Herausgeforderte Gemeinschaft

Jubiläumsausstellung 2025

14.06.2025 -
09.03.2026

Im Jahr 2025 feiert das Kunstmuseum Magdeburg sein 50-jähriges Bestehen: ein halbes Jahrhundert künstlerische Auseinandersetzung, gesellschaftliche Reflexion und kultureller Wandel. Seit seiner Gründung widmet sich das Museum der Gegenwartskunst – damals wie heute. Von der staatlich gelenkten DDR-Kunstpolitik über die Aufbruchsstimmung der Demokratiebewegung 1989 bis zur internationalen Öffnung der letzten Jahrzehnte erzählt das Haus von einem kontinuierlichen Wandel.

"Herausgeforderte Gemeinschaft", Foto: Hans-Wulf Kunze
Marina Naprushkina, "What are our collective dreams?" / Peter Bräunig, Grit Bümann, Ansgar Frerich "Fluchtpunkt-Perspektiven"
Elkse Rosenfeld, "Archive of Gestures" / Monika Huber "Archiv Einsdreissig", Foto: Hans-Wulf Kunze
Baldur Schönfelder, "Große Dreiteilige Klappfalle" / Jens Klein, "Bewerber/Bewerberinnen", Foto: Hans-Wulf Kunze

Diese Entwicklung spiegelt sich auch in der Sammlung wider: Viele Werke entstanden im Spannungsfeld gesellschaftlicher Umbrüche. Sie zeugen von Nähe und Distanz, von Abgrenzung und Gemeinschaft als etwas Fragilem und immer wieder Herausgeforderten. Unter dem Titel Herausgeforderte Gemeinschaft vereint die Jubiläumsausstellung Kunstwerke, die Eigenwilligkeit, Widerspruch und gesellschaftliche Vielstimmigkeit sichtbar machen. Zentrale Werke aus der Sammlung treten in einen Dialog mit Gegenwartspositionen, die für diese Ausstellung teilweise neu entstanden sind.

In diesem Zusammenspiel gehen sie der Komplexität der Gemeinschaft nach und regen dazu an, über historische und gegenwärtige Formen des Miteinanders nachzudenken. Gemeinschaft ist nie selbstverständlich und muss immer wieder neu ausgehandelt werden. Die Kunstwerke machen Ambivalenzen sichtbar, stellen gewohnte Denkmuster infrage und loten die Grenzen zwischen individueller und kollektiver Erinnerung aus.

Auf der gesamten Ausstellungsfläche des Museums zeigt HERAUSGEFORDERTE GEMEINSCHAFT ein vielschichtiges Panorama aus Malerei, Fotografie, Videoarbeiten, Installationen, Grafik und Skulptur. Die Ausstellung spannt dabei einen Bogen über fünf Jahrzehnte: von künstlerischen Praktiken des 20. Jahrhunderts über die gesellschaftlichen Umbrüche nach 1989 bis hin zu heutigen Formen des Zusammenlebens. Im Mittelpunkt stehen Fragen nach Gemeinschaft und Miteinander – und auch die Rolle, die jede*r Einzelne darin spielt.

Künstler*innen aus der Sammlung: Özlem Altın, Giovanni Anselmo, Johanna Bartl, Horst Bartnig, Christian Boltanski, Sergey Bratkov, Peter Bräuning/Grit Bümann/Ansgar Frerich, Heinz Breloh, Joachim Brohm, Ernesto Burgos, Anthony Caro, Lawrence Carroll, Enrico Castellani, William Christenberry, Johan Creten, Hartwig Ebersbach, Jonas Englert, Brian Eno, Ruth Francken, Nan Goldin, Monika Huber, Leiko Ikemura, Sanja Iveković, Sven Johne, Rashid Johnson, Annika Kahrs, Koji Kamoji, Jens Klein, Jannis Kounellis, Wieland Krause, Lore Krüger, Hans-Wulf Kunze, Rolf Lindemann, David Lynch, Christiane Möbus, Maurizio Nannucci, Norbert Prangenberg, Lucas Reiner, Raffael Rheinsberg, Xanti Schawinsky, Michael Schmidt, Baldur Schönfelder, Jochen Seidel, Christopher J. Smith, Hito Steyerl, Gabriele Stötzer, Werner Stötzer, Zandile Tshabalala, Max Uhlig, Olaf Wegewitz, Tobias Zielony, Gilberto Zorio
Eingeladene Positionen von: Isaac Chong Wai, Itamar Gov, Marina Naprushkina, Diane Severin Nguyen, Elske Rosenfeld

 

Ein Projekt im Zuge des Programms Herausgeforderte Gemeinschaft / Challenged Togetherness

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Ausstellung

Annika Kahrs

Infra Voice

15.11.2025 -
08.02.2026

Präsentation aus der Sammlung

Musik und Sprache, Tiere und Menschen, Kommunikation und Stille – das sind die Pole, zwischen denen sich Annika Kahrs in ihren Filmen, Performances und Installationen bewegt. Oft fragt sie nach den Möglichkeiten und Grenzen von Verständigung und möglichen Zugängen zur Welt und zum Anderen.

Für »Infra Voice« beschäftigte sich die Künstlerin mit Infraschall, mit Frequenzen unterhalb von etwa 20 Hertz, die so tief sind, dass sie das menschliche Gehör kaum mehr wahrnehmen kann. Einige Tierarten kommunizieren mit Tönen dieser Frequenzen, etwa Giraffen. Unser Bild von eleganten Riesen, die langbeinig und grazil durch die Savanne streifen, ist zweifellos auch davon geprägt, dass die Tiere uns stumm erscheinen. Mit »Infra Voice« gibt Kahrs ihnen eine Stimme, und zwar nicht, was möglich wäre, durch Transponierung ihrer Laute und Töne in den hörbaren Bereich, sondern durch Musik.

Denn dass die menschliche Wahrnehmung im Infraschallbereich an ihre Grenzen stößt, heißt nicht, dass Menschen nicht versucht haben, in diese Bereiche vorzustoßen. Der Geigenbauer Jean-Baptiste Vuillaume erfand zu genau diesem Zweck 1850 den Oktobass, das größte je gebaute Streichinstrument, das die Möglichkeiten der Musik in den Bassbereich erweiterte. Ein Oktobass wiegt deutlich über hundert Kilogramm und misst beinahe vier Meter. Gespielt wird er wie ein Kontrabass, allerdings werden die Saiten nicht gegriffen, sondern über Bügel gedrückt, die über Griffe und Fußpedale betätigt werden können. Das Instrument setzte sich nie durch, doch existieren einige wenige Exemplare und Nachbauten. Aus der merkwürdigen Koinzidenz der Giraffenkommunikation mit dem kuriosen Streichinstrument entwickelte Kahrs ihre Videoinstallation.

Die Dimensionen ihrer Protagonisten aufnehmend, konfrontiert sie die Giraffen des Hamburger Tierparks Hagenbeck mit einer eigens geschriebenen Komposition für Oktobass der Norwegerin Guro Skumsnes Moe. Auf der Basis einfacher Analogien – Größe, Form, Klang – entwickelt sich in der räumlichen Installation dreier hochformatiger Leinwände ein komplexes Zusammenspiel der Blickbeziehungen, der Mikroperspektiven beim Abtasten der Körper von Instrument und Tier und des Verlaufs der Zeit über einen Tag hinweg bis zur Giraffendämmerung.

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Ausstellung

Stadt

Hermann Brösel

13.12.2025 -
02.02.2026

Im Kubus am Kunstmuseum Magdeburg werden Fotografien von Hermann Brösel gezeigt. Der Magdeburger Unternehmer und Fotograf widmete sich zeitlebens mit großer Präzision der Fotografie und dokumentierte über mehrere Jahrzehnte das Stadtbild seiner Heimat.

Eine Auswahl dieser Fotografien wird auf einer Leinwand im Kubus präsentiert, die täglich von 16 bis 24 Uhr gezeigt werden, und einen Einblick in die Chronik der Stadt Magdeburg gibt.

Abb: Hermann Brösel, Arbeiten an der Elbe © Stadtarchiv Magdeburg

 

Ausstellung

Lara Dâmaso

For Our Flowing Voices; I Amphorae

07.09.2025 -
11.01.2026

Fünf mit Wasser gefüllte Amphoren stehen im Zentrum der von Lara Dâmaso (*1996 in Biel/Bienne) für die Klosterkirche konzipierten Installation For Our Flowing Voices; I Amphorae. Ihre Formen und Größen werden durch den Fluss der Stimme geformt, die fünf entsprechende Körperräume durchläuft: vom Becken bis zum Schädel.

Die Amphoren dienen als Resonanzräume, in denen Dâmasos aufgezeichnete Stimme Wasser in Bewegung versetzt. Schallwellen auf der Wasseroberfläche entstehen. Diese flüssigen Choreografien kulminieren in einer polyphonen Vokalkomposition, die die sichtbaren Wellen mit der Resonanz der Klosterkirche verschmelzen lässt.

Zögernd und ernst durchlaufen die Stimmen verschiedene emotionale und evolutionäre Zustände. Der Atem der vormenschlichen Verse vervielfacht sich in der Polyphonie, übersteigt die jugendlichen Klagen und gespenstischen Schreie, die Schwere der klanglichen Obszönitäten und die Leichtigkeit der Ahnungen.

Dâmasos Installation greift spirituelle Tradition auf, namentlich das Schaffen von Mechthild von Magdeburg (ca. 1207–1282). In ihrem Hauptwerk Das fließende Licht der Gottheit entfaltet sie eine Metaphorik des Fließens, die Körper, Raum und Transzendenz verbindet. Mit For Our Flowing Voices; I Amphorae entsteht eine Verbindung zwischen dem physischen Fluss der Stimmen, den materiellen Resonanzen der Skulpturen und dem historischen Ort, der in die poetische Erkundung des fließenden Wissens eintritt.

Die Stimme – Dâmasos zentrales künstlerisches Medium – ist mehr als ein Kommunikationswerkzeug. Die Künstlerin erforscht ihr expressives, therapeutisches und politisches Potenzial und stellt eine vibrierende Verbindung her, die mehr auf sinnlicher Erfahrung als auf Vernunft beruht. Auf diese Weise umgeht Dâmaso die Machtstrukturen, die im disziplinierten Gebrauch der Stimme verankert sind und hinterfragt die sozialen Gepflogenheiten, die häufig durch Sprechakte strukturiert werden.

Lara Dâmasos Arbeit umfasst vergängliche und dauerhafte Formen und nimmt durch die Medien Performance, Klang, Video, Näharbeiten, Skulptur, Fotografie und Text Gestalt an. Dâmasos Praxis konzentriert sich auf den sensiblen und vibrierenden Dialog zwischen Menschen und dem Raum, den sie bewohnen. Sie befasst sich mit der Vernetzung von Materiellem und Immateriellem und erforscht die direkte Beziehung zwischen der Bewegung der Stimme und der des Körpers. Diese Verbindung zielt darauf ab, eine direkte und emotionale Form der Kommunikation herzustellen. Ihr Ansatz basiert auf dem Konzept des Zuhörens als totaler Präsenz, die für die Aktivierung eines solchen Dialogs unerlässlich ist. Transformation, die Pluralität des Selbst, Fluidität und Interdependenz als Folgen dieses Austauschs bilden den Kern ihres kreativen Prozesses.
Nach mehreren Jahren intensiver Ausbildung in Ballett und zeitgenössischem Tanz besuchte Lara Dâmaso die Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig, wo sie Kunst und Medien studierte, und erwarb einen Bachelor of Fine Arts an der Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK).

Lara Dâmasos Arbeiten wurden in verschiedenen Institutionen und auf Festivals präsentiert, darunter Biennale Son, Kunsthalle Wien, Movement Festival, Eaton Hong Kong, Atonal Berlin, Basel Social Club, Triennale Milano, We Travel to Know Our Own Geography – Terraforma x Kuboraum (60. Kunstbiennale Venedig), DeSingel, Centre Pompidou, Tanzquartier Wien, Gessnerallee, Krone Couronne, Istituto Svizzero, Kunsthalle Bern, MASI Lugano, Kunsthaus Langenthal, Centre d’Art Contemporain Genève, Kunsthalle Zürich und Cabaret Voltaire.

 

Ein Projekt im Zuge des Programms Herausgeforderte Gemeinschaft / Challenged Togetherness

Gefördert durch/ von:
                

Die Ausstellung wird gefördert von:


Mit Unterstützung der Schweizer Kulturstiftung Pro Helvetia.

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