Ausstellung

unverschämt rebellisch

Sanja Iveković Ulrike Rosenbach Gabriele Stötzer

14.04.2024 -
30.06.2024

Radikale künstlerische Positionen beziehen Sanja Iveković (geb. 1949 in Zagreb), Ulrike Rosenbach (geb. 1943 in Bad Salzdetfurth) und Gabriele Stötzer (geb. 1953 in Emleben) seit den 1970er Jahren. Unabhängig voneinander entwickelten sie in den sehr verschiedenen politischen Kontexten ihrer Herkunftsstaaten eine Bildsprache, die gängige Geschlechterrollen und die damit verbundenen kulturellen Normen kritisiert.

Sanja Iveković, Ženska kuća (Sunčane naočale) / Frauenhaus (Sonnenbrillen), 2002–2004
Ulrike Rosenbach, Reflexionen über die Geburt der Venus, 1976/1978
Gabriele Stötzer, Fleischsäule Europa, 1991

Im Mittelpunkt ihrer Arbeiten steht immer die Frau: Bei Rosenbach und Stötzer fungiert der weibliche Körper als Ausdrucksmittel. Sie nutzen ihn als Leinwand oder um mittels Bewegung aus ihren Grenzen auszubrechen. Iveković verurteilt mittels ihrer Arbeiten die Objektifizierung des Frauenkörpers und die damit einhergehende Projektionsfläche für geschlechtliche Zuschreibungen.
Die Künstlerinnen verwenden die unterschiedlichsten Medien wie Performance, Fotografie, Textilien, Schrift, Malerei und Film, um die Geschlechtszuweisungen anzuprangern und den gängigen Bildern ihre eigenen Bilder entgegenzusetzen: mal laut in großangelegten Aktionen, mal leise in intimen Momenten, doch immer mit klarer Botschaft.

Ausgehend von ihren eigenen Biografien entstehen Werke, in denen sie das Verhältnis von Geschichte und Gegenwart vor dem Hintergrund ihrer weiblichen Identität thematisieren. Sie weisen auf Missstände hin und haben als Initiatorinnen bzw. Mitbegründerinnen von Frauenbewegungen aktiv das politische Geschehen mitgestaltet. Zum Ausdruck kommt dies in ihren Arbeiten durch zuweilen rigorosen künstlerischen Methoden, zu den sie greifen, und damit neue Ausdrucksmöglichkeiten aufzeigen, die für viele Gebiete der zeitgenössischen politischen Kunst wegweisend wurden.

Die Ausstellung präsentiert sowohl Fotografien, Videoarbeiten, Performances sowie Installationen aus dem Beginn des Schaffens von Ulrike Rosenbach, Gabriele Stötzer und Sanja Iveković als auch jüngere Werke.

Sanja Iveković (geb. 1949 in Zagreb) verknüpft künstlerische Praxis mit sozialem Aktivismus. Sie gilt als eine der ersten feministischen Künstlerinnen Kroatiens. In ihren frühen Arbeiten, die im Umfeld der jugoslawischen Bewegung „Neue Kunstpraxis“ entstanden, untersucht sie die Beziehung zwischen Massenmedien und Ideologie. Spätere Projekte erkunden die Transformation der Balkanländer von sozialistischen zu nationalistischen politischen Systemen. Ivekovićs Arbeiten kritisieren die Stellung der Frau in der Gesellschaft und die Darstellung von Frauen in den Medien. Sie konstatiert den Rückfall in ein patriarchales System und beschäftigt sich mit Gewalt gegen Frauen - ein Aspekt, der in den letzten Jahren vermehrt an Sichtbarkeit gewonnen hat.
Häufig verwendet Iveković schillernde Werbebilder, die Models zeigen, und setzt ihnen in Form von Text eine gesellschaftliche Realität entgegen, etwa von häuslicher Gewalt betroffene Frauen.
Sie lehrte seit der Gründung im Jahr 1994 am Zentrum für Frauenstudien in Zagreb und ist Gründerin von Electra – dem Frauenkunstzentrum Zagreb.


Ulrike Rosenbach (geb. 1943 in Salzdetfurth bei Hildesheim) gilt als Pionierin der Videokunst. Sie studierte an der Kunstakademie Düsseldorf bei Joseph Beuys und entdeckte früh das damals noch neue Medium des Videos für sich. In ihrer prozessualen und medienübergreifenden Arbeitsweise entstehen aus Performances Videos und aus Videos wiederum Installationen und Skulpturen. So schafft die Künstlerin gesamte Werkzyklen.
1969 kommt Rosenbach in Berührung mit dem amerikanischen Feminismus und wird selbst Teil dieser Bewegung. Ihre Themen sind die weibliche Identität und die Rolle als Künstlerin, Ehefrau und Mutter. Ulrike Rosenbachs Werk legt in ihren Arbeiten den Finger in die Wunde patriarchaler Rollenklischees und konterkariert sie mit anderen Weiblichkeitsbildern.


Gabriele Stötzer
(geb.1953 in Emleben bei Gotha) behandelt in ihren Werken das (weibliche) Individuum, das sie in Gegensatz zu einer totalitären Gesellschaft stellt. Nach einem einjährigen Gefängnisaufenthalt wegen „Staatsverleumdung“ im Frauengefängnis Hoheneck kam sie über die Schriftstellerei zur Fotografie und zum Film.

Sie schuf unter anderem eine große Anzahl an Fotografien, die alle vom nackten weiblichen Körper ausgehen. In Performances und Inszenierungen mit anderen (Nicht-)Künstlerinnen enthebt sie den Körper aus dem alltäglichen und kontextualisiert ihn mit unausgesprochenen Erfahrungen und Verletzung.
Mit ihren Arbeiten bäumt sie sich gegen sozialistisch-kleinbürgerlich-dogmatische Tabus ihrer Zeit. Nur in der Kunst findet sie ihren Freiraum für ihr Engagement gegen Entmündigung und Reglementierung.

In den frühen 1980er-Jahren war Gabriele Stötzer Mitbegründerin der Erfurter Künstlerinnengruppe Exterra XX und 1989 der Bürger*inneninitiative „Frauen für Veränderung”. Im selben Jahr war sie Mitinitiatorin der Besetzung der Stasi-Bezirksverwaltung Erfurt.

Die Ausstellung wird gefördert von:

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Ausstellung

Sergiy Bratkov

My Brother's Cats

09.06.2024 -
06.10.2024

Sergiy Bratkov (geb. 1960) ist bekannt für seine radikal verstörenden und schrillen Fotografien, die hinter der schönen bunten Oberfläche einen schonungslosen Zustandsbericht der Gesellschaft liefern.

Blick in die Ausstellung "Sergiy Bratkov. My Brother's Cats", Foto: Hans-Wulf Kunze
Blick in die Ausstellung "Sergiy Bratkov. My Brother's Cats", Foto: Hans-Wulf Kunze
Blick in die Ausstellung "Sergiy Bratkov. My Brother's Cats", Foto: Hans-Wulf Kunze

Wie andere Mitglieder der „Charkiwer Schule der Fotografie“ hat er in den vergangenen 30 Jahren sein Hauptinteresse auf die soziale Fotografie gelegt. Im Frühjahr 2022 ist der seit 2004 in Moskau lebende Ukrainer nach Berlin emigriert. Sein Nachdenken, das in den letzten Serien vor allem den überholten Klischees der Sowjetzeit sowie dem neuen Habitus des kraftstrotzenden Ostkapitalismus in der Ukraine galt, ist nun von der aktuellen Realität brutal beiseite gewischt worden.

In der Ausstellung zeigt Sergiy Bratkov erstmals neue Bildzyklen und Videos, die ab dem Zeitpunkt des Überfalls Russlands auf die Ukraine entstanden sind. Aus dem ironisch beobachtenden Fotografen ist ein fragender Analyst geworden, dessen neue Serien die Schrecken des Krieges in der einstigen Heimat zu verarbeiten suchen, ohne in Hoffnungslosigkeit zu versinken.

Die Ausstellung wird gefördert von:

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Ausstellung

Kaltes Tal

Florian Fischer & Johannes Krell

01.06.2024 -
28.07.2024

Videoarbeit aus der Mediensammlung des Kunstmuseums:

Überall sind wir von ihr umgeben: Natur. Welche verschiedenen Facetten die Natur annehmen kann, bilden die Filmemacher Florian Fischer (*1981) und Johannes Krell (*1982) in ihren drei Videoinstallationen ab.

In Kaltes Tal (2016) setzen sich die Filmemacher mit einem Paradoxon auseinander: Die menschengemachten Schäden in der Natur lassen sich nur durch weitere Zerstörung der Natur reparieren. Dies wird an einem Kalktagebau sichtbar. Das geborgene Material wird verarbeitet und durch eine Waldkalkung der Natur zurückgeführt, um der Bodenbelastung durch sauren Regen entgegenzuwirken. Ein Kreislauf wie eine Möbiusschleife – den irreversiblen Konsequenzen des Rohstoffabbaus geschuldet, um das fragile Gleichgewicht der Natur wiederherzustellen.

Florian Fischer & Johannes Krell, Kaltes Tal, 2016
Florian Fischer & Johannes Krell, Kaltes Tal, 2016
Florian Fischer & Johannes Krell, Kaltes Tal, 2016

Veranstaltung

Ausstellungs-
eröffnung

17 Uhr

08.06.2024 -
08.06.2024

Wir laden Sie und Ihre Freund*innen recht herzlich zur Eröffnung der Ausstellung "Sergjy Bratkov. My Brother's Cats" ein.

Musik: Elshan Ghasimi (Tar)

Sergiy Bratkov (geb. 1960) ist bekannt für seine radikal verstörenden und schrillen Fotografien, die hinter der schönen bunten Oberfläche einen schonungslosen Zustandsbericht der Gesellschaft liefern. In der Ausstellung zeigt er erstmals neue Bildzyklen und Videos, die ab dem Zeitpunkt des Überfalls Russlands auf die Ukraine entstanden sind. Aus dem ironisch beobachtenden Fotografen ist ein fragender Analyst geworden, dessen neue Serien die Schrecken des Krieges in der einstigen Heimat zu verarbeiten suchen, ohne in Hoffnungslosigkeit zu versinken.

Veranstaltung

Feminism WTF

19 Uhr

05.06.2024 -
05.06.2024

ein Film von Katharina Mueckstein
Österreich 2023, 96 Minuten, deutsche Originalfassung

Die Frauen*bewegung ist die erfolgreichste soziale Bewegung des 20. Jahrhunderts und hat alle Gesellschaftsschichten erfasst. Ihre Errungenschaften haben nicht nur bessere Lebensbedingungen für Frauen* erkämpft, sondern unsere Lebensweisen und unsere Ideen von Zusammenleben radikal verändert. Und obwohl feministische Debatten wie #metoo in der Mitte der Gesellschaft angekommen sind, hat der Begriff „Feminist*in“ immer noch einen negativen Unterton.

Der Dokumentarfilm FEMINISM WTF (What the Fuck) schlüsselt auf, welche Themenvielfalt 2023 unter dem Begriff Feminismus verhandelt werden. Die Experts aus Politik- und Sozialwissenschaften, Männlichkeitsforschung, Gender-, Queer- und Trans-Studies gehen der Frage nach, wie wir alle zum Aufbrechen von Macht- und Abhängigkeitsverhältnissen beitragen können, um eine solidarische Gesellschaft der Vielen zu sein. Dabei geht es um viele aktuelle Debatten: Warum sprechen wir immer von nur zwei Geschlechtern? Warum müssen Frauen* den Großteil der unbezahlten Haus- und Kindererziehungsarbeit machen? Warum sind Kapitalismus und Feminismus ein Widerspruch? Was hat der europäische Kolonialismus mit den heutigen Ideen von sexueller Freiheit und rassistischen Stereotypen zu tun? Wieso brauchen wir Feminismus, um das Klima zu retten? Und warum engagieren sich eigentlich so wenige Männer für den Feminismus?

 

Ausstellung

Sven Johne

Das sowjetische Hauptquartier

08.03.2024 -
26.05.2024

Videoarbeit aus der Mediensammlung des Kunstmuseums:

Das sowjetische Hauptquartier (2023) spielt auf dem heute brachliegenden Gelände des ehemaligen Hauses der Offiziere in Brandenburg. Bis 1994 diente es als eine Art kulturelles Hauptquartier der in Ostdeutschland stationierten sowjetischen Truppen.

Sven Johne, Das sowjetische Hauptquartier, 2023, Videostill, © Sven Johne / VG Bild-Kunst, Bonn 2024
Sven Johne, Das sowjetische Hauptquartier, 2023, Videostill, © Sven Johne / VG Bild-Kunst, Bonn 2024
Sven Johne, Das sowjetische Hauptquartier, 2023, Videostill, © Sven Johne / VG Bild-Kunst, Bonn 2024

Das Anwesen ist Schauplatz eines Immobilien-Besichtigungstermins. Der zum Erfolg verdammte Makler Becker führt wortreich die vermeintliche Interessentin Katharina Baronn durch die verlassenen Räumlichkeiten. Im Verlauf des Films tritt der innere Monolog Baronns in den Vordergrund: Als achtjähriges Kind erlebte sie hier den Abzug der sowjetischen Truppen. Seither geistert eine sentimentale „Kinder-Sowjetunion“ (in Johnes Worten) als vermeintliche Alternative zum real existierenden Kapitalismus in ihren Erinnerungen.

In dem Video geht es um die Wirkmächtigkeit von Ideologien und um den Abschied von der Kindheit. Sven Johne verbindet in seinen Arbeiten das individuelle Narrative mit offizieller Geschichte, das politische Ernsthafte mit einfühlsamer Poetik. Er greift Themen auf, die oftmals die Gegenwart spezifisch ostdeutscher Zustände widerspiegeln. Dabei steht nicht nur die Transformation einer Gesellschaft, das Verschwinden eines ganzen Landes und seiner kulturellen Beheimatungen, im Mittelpunkt der Werke, sondern auch – wie hier im Film, persönliche Schicksale.

Die Videoarbeit konnte mit Mitteln des Landes Sachsen-Anhalt angekauft werden.

Katharina Baronn: Luise Helm
Becker: Marc Zwinz
Kamera/Beleuchtung: Steve Kfoury
Ton: Torsten Reimers / Michael Freitag
Schnitt: Sven Voß

Produziert / unterstützt von:
Fluentum / Brandenburgische Gesellschaft für Kultur und Geschichte

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Veranstaltung

Grand Tour

19.30 Uhr

30.04.2024 -
05.05.2024

Eine chorografische Kunst-Erkundung

Eine Kooperation des Kunstmuseums Magdeburg und des Balletts des Theaters Magdeburg

Seit der Renaissance machen sich junge Menschen auf die „Grand Tour“, um in Italien und Griechenland die Meisterwerke der Antike zu studieren. Heute begeben sich junge Choreograf*innen des Balletts Theater Magdeburg mit ihrem Ballettdirektor in das Kunstmuseum, um in Auseinandersetzung mit der Architektur und den ausgestellten Kunstwerken aus verschiedenen Ländern eigene Stücke zu kreieren. Ganz verschiedene Orte innerhalb des Museums, wie das Bodenkunstwerk des Künstlers Martin Assig in der Kirche, der Kreuzgang und die internationalen zeitgenössischen Werke in den Sammlungsräumen bilden die Basis der tänzerischen Interpretationen.

Foto: Ida Zenna
Foto: Ida Zenna
Foto: Ida Zenna

Die „Grand Tour“ führt die Besucher*innen in mehreren Kapiteln durch die Räume und Sammlung des Kunstmuseums. Orte, wie das Bodenkunstwerk des Künstlers Martin Assig, der Kreuzgang und die internationalen zeitgenössischen Kunstwerke aller Gattungen in den Sammlungsräumen bilden die Basis der tänzerischen Auseinandersetzung. Die choreografische Kunst-Erkundung bietet eine neue Sicht sowohl auf die Örtlichkeit und die ausgestellten Werke des Kunstmuseums Magdeburg als auch auf den Tanz.

Karten und weitere Informationen

Gefördert von der Kunststiftung des Landes Sachsen-Anhalt, Lotto Sachsen-Anhalt, vom Freunde und Förderer des Kunstmuseums Magdeburg e.V. und vom Förderverein Theater Magdeburg e. V.

Veranstaltung

unverschämt rebellisch

15 Uhr

12.05.2024 -
12.05.2024

"weibliche Erfahrungswelten von 1970 bis heute" - Sonntagsführung mit Maria Graschberger durch die Ausstellung „unverschämt rebellisch. Sanja Iveković. Ulrike Rosenbach. Gabriele Stötzer “

Radikale künstlerische Positionen beziehen Sanja Iveković (geb. 1949 in Zagreb), Ulrike Rosenbach (geb. 1943 in Bad Salzdetfurth) und Gabriele Stötzer (geb. 1953 in Emleben) seit den 1970er Jahren. Unabhängig voneinander entwickelten sie in den sehr verschiedenen politischen Kontexten ihrer Herkunftsstaaten eine Bildsprache, die gängige Geschlechterrollen und die damit verbundenen kulturellen Normen kritisiert.

Die Ausstellung präsentiert sowohl Fotografien, Videoarbeiten, Performances sowie Installationen der drei Künstlerinnen.

Ausstellung

Ulrich Wüst

Haltepunkte

26.11.2023 -
01.04.2024

Die Ausstellung „Haltepunkte“ schlägt mit ausgewählten Bildreihen einen großen Bogen durch das umfangreiche fotografische Werk von Ulrich Wüst. Arbeiten aus zehn Fotoserien, die zwischen 1984 und 2023 entstanden sind, werden gezeigt. Darunter befindet sich auch die jüngste Bildserie zur Elbe im Magdeburger Stadtgebiet mit dem Titel „Stromauf/Stromab“.

Ulrich Wüst, aus der Serie "Notizen", 1984 - 1986
Ulrich Wüst, aus der Serie "Oktober", 1989
Ulrich Wüst, aus der Serie "Randlage", 2014-2018
Ulrich Wüst, aus der Serie "Stromauf/Stromab", 2022-2023

Ulrich Wüst gelingt es, in seinen Fotografien das festzuhalten, was normalerweise vom Alltag übertönt wird. Sein Blick für das Detail und sein genaues Hinschauen machen ihn zu einem Beobachter seiner Zeit, dem die kleinen Skurrilitäten des Alltags nicht entgehen.

In der Fotografie findet Ulrich Wüst zu Konzentration und Ausdruck, um seine Beobachtungen in die sie auslösenden Gedanken und Emotionen zu binden. Oft wirken seine Bildmotive wie aus dem Lauf der Zeit gelöst, dazu bestimmt, als Fotografien zu überdauern. Dabei fällt die Stille auf, welche alle seine Motive umgibt, seien es die menschenleeren Straßen in Magdeburg oder Berlin, Erkundungen entlang der Elbe, Blicke in Schaufenster oder Fundstücke des Alltags wie Glasscheiben oder Geldscheine. In der Art ihrer Beschreibung äußert sich die besondere Sensibilität des Fotografen für zeitgeschichtliche Abläufe und die sie begleitenden Veränderungen.

Der gebürtige Magdeburger entwickelt früh einen völlig eigenständigen szenischen Blick. Zunächst auf persönliche Dokumentationen fokussiert, entstehen bald in großer Zahl seine typischen Schwarzweißaufnahmen von Straßen und Gebäuden im generalisierten Blick auf die Stadt, auf ihre Schönheit und Vergänglichkeit, auf ihre Deformationen und Zumutungen. Mit den Jahren wendet sich Ulrich Wüst auch dem Inventar zu, an dem Menschen hängen, bestehend aus Fundgegenständen oder Alltagsbildern, die ihm der Zufall zuspielt. Er ist daran interessiert, die enthaltenen Spuren und Zeichen der Vergangenheit aus heutiger Sicht auszudeuten.

Ulrich Wüst wurde 1949 in Magdeburg geboren. Von 1967 bis 1972 studierte er in Weimar an der Hochschule für Architektur und Bauwesen im Fach Stadtplanung. Bis 1977 arbeitete er als Stadtplaner, vor allem in Berlin, wo er seit 1972 lebt. Von 1979 bis 1983 war Ulrich Wüst als Bildredakteur und Fotograf tätig. Seit 1984 arbeitet er freiberuflich als Fotograf. 2021 erhielt er den Kunstpreis des Landes Sachsen-Anhalt.

 

Fotoaktion

Ulrich Wüst hält auf seinen Fotografien nicht nur die Gebäude und Straßen in Magdeburg fest, sondern ermöglicht es uns - mit seinem Blick fürs Detail - unsere Umgebung neu und anders zu betrachten.

Wir sind auf der Suche nach Ihren ganz eigenen Blicken auf die Stadt Magdeburg, die Sie mit der Kamera festgehalten haben. Egal ob mit Smartphone oder Fotoapparat - es geht darum, Ihren Blick auf vermeintlich Alltägliches einzufangen und die Welt aus der persönlichen Perspektive zu zeigen.

Bilder können auf Instagram mit #wüst_inspiriert geteilt werden.

Die Ausstellung wird gefördert von:

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Ausstellung

Ursula Wevers

Die Elbe vor der Nordsee

15.10.2023 -
03.03.2024

Flusslauf, Regen, Schiffsbewegungen und ab und zu Möwenflug, nichts von dem, was man in diesem Video sehen kann, verharrt, alles verbindet sich in einer Art Schwebezustand, in dem sich die sichtbaren Elemente kaum trennen wollen.

Ursula Wevers hat sich mit der Kamera in den Gang der Dinge gestellt. Die normale Fähigkeit einer Filmkamera den Zeitlauf aufzeichnend mitzuverfolgen, trifft auf die Wasser überströmte Unvorhersehbarkeit der Szenerie, doch obwohl so total vom nasskalten Wetter bestimmt, wirkt die Situation eigenartig besänftigt. Liegt es am Unabänderlichen des Wetters oder ist es die aufmerksame Geduld der Kamera, die sich davon nicht beeindrucken lässt, die uns zum Mitbeobachter des Naturschauspiels der Elbmündung macht?

Intuition und Erfahrung sprechen aus den dokumentarischen Mitteln der Videoarbeit, die abgesehen von wenigen Schnitten in Realzeit abläuft. Ursula Wevers sagt, dass sich diese Arbeit einfach aus der Situation ergab. Doch erweisen sich der Verzicht auf ein Stativ oder die Akzeptanz der Autoscheibe als wichtige Entscheidungen, um später die Ereignisse in die Augen der Betrachter*innen zu verlegen und um Regen und Kälte nah und fühlbar zu machen. Sie verstärken die atmosphärische Ambivalenz zwischen Tristesse und Hingabe, die sich unwillkürlich mitteilt und die all dem austauschbaren Grau vor der Kamera die natürliche Symbolik dieses Ortes gegenüberstellt.

Die Elbe vor der Nordsee lässt den Bogen zurückverfolgen in das Jahr 1969, als Gerry Schum und Ursula Wevers mit dem ersten Filmprojekt der Fernsehgalerie unter dem Begriff Land Art einer neuen Kunsthaltung zum Durchbruch verhelfen. Die Elbe vor der Nordsee zeigt genau das, was die Kamera der Künstlerin während einer knappen halben Stunde an diesem Ort aufnehmen konnte. Kaum scheint es möglich, sich mit filmischen Mitteln näher in die Natur zu begeben.

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Ursula Wevers, Die Elbe vor der Nordsee (Still), 2001