Ausstellung

ars viva 2017

Jan Paul Evers, Leon Kahane, Jumana Manna

09.10.2016 -
29.01.2017

Ausstellung der mit dem ars viva-Preis für Bildende Kunst 2017 des Kulturkreises der deutschen Wirtschaft im BDI e. V. ausgezeichneten Künstler

Seit 1953 vergibt der Kulturkreis der deutschen Wirtschaft jährlich den ars viva-Preis für Bildende Kunst an junge, in Deutschland lebende Künstler*innen, deren Arbeiten sich durch richtungweisendes Potenzial auszeichnen. Das Kunstmuseum Magdeburg zeigt Arbeiten der diesjährigen Preisträger*innen Jan Paul Evers, Leon Kahane und Jumana Manna. Die drei Künstler*innen unterscheiden sich in ihrer Arbeitsweise ebenso wie in der Wahl ihrer Medien – von Skulptur und Zeichnung über Video und Fotografie bis hin zu raumgreifenden Installationen.

Jan Paul Evers wurde 1982 in Köln geboren und studierte an der Hochschule für Bildende Künste in Braunschweig. Evers lebt und arbeitet in Köln. Ausgangspunkt seiner analogen Schwarz-Weiß-Fotografien sind von ihm selbst aufgenommene Bilder aber auch bereits bestehendes Bildmaterial. Die Ursprungsmotive sind abstrakt wie konkret. In der Dunkelkammer unterzieht er die Bilder der eigentlichen künstlerischen Bearbeitung und konstruiert mithilfe von Schablonen, durch die Anpassung der Belichtungszeit oder den gezielten Einsatz chemischer Substanzen neue Bilder, Unikate auf Barytpapier. Die Kompositionen rücken das Verhältnis von Bild und Abbild, Motiv und Wirklichkeit in den Fokus und hinterfragen damit die Möglichkeiten der Reproduktion.

Leon Kahane, 1985 in Berlin geboren, absolvierte zunächst eine Fotografie-Ausbildung an der BEST-Sabel Berufsfachschule für Design und an der Ostkreuzschule für Fotografie Berlin und studierte anschließend Freie Kunst an der Universität der Künste Berlin. Kahane lebt und arbeitet aktuell in Berlin und Tel Aviv. Zentrale Bezugspunkte in den Videoarbeiten, Fotografien und Installationen des Künstlers sind Themen wie Migration und Identität und die Auseinandersetzung mit Mehr- und Minderheiten in einer globalisierten Gesellschaft. Für den Künstler spielen eigene Erfahrungen und biografische Bezüge eine zentrale Rolle. Zuletzt waren seine Arbeiten in der Kunsthalle Wien und bei der 6. Moskau Biennale zu sehen. 2015 gewann er den Kunstpreis Europas Zukunft.

Jumana Manna wurde 1987 in New Jersey geboren und studierte an der Bezalel Academy of Arts and Design in Jerusalem sowie an der Oslo National Academy of the Arts. Die Künstlerin lebt und arbeitet in Berlin und Jerusalem. In ihren Videoarbeiten und Skulpturen setzt sich Manna mit sozialpolitischen Fragestellungen, Machtstrukturen und der Konstruktion von Identität auseinander. Während sich ihre Videoarbeiten nah am Dokumentarfilmformat mit persönlich-historischen Bezügen bewegen, haben die skulpturalen Arbeiten häufig abstrakten Charakter und beziehen sich dabei auf unterschiedliche Quellen wie archäologische Artefakte oder modernistische norwegische Architektur. Anfang des Jahres präsentierte Manna in der Malmö Konsthall ihre erste Einzelausstellung in Schweden. Mit ihrem Dokumentarfilm „A Magical Substance Flows into Me“ war sie 2016 im Forum der 66. Berlinale vertreten.

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9. November 2016: DIALOG mit dem Künstler Leon Kahane

Oft wird im Großen Saal des Kunstmuseums diskutiert, seit dort die Arbeiten von Leon Kahane zu sehen sind: über Geschichte und Erinnerungskultur, über gesellschaftlichen Wandel und über den Kunstbegriff selbst. Die Arbeiten Kahanes geben dafür ausreichend Anlass. Vergilbtes Papier erzählt eine bewegte Lebensgeschichte; an die Wand geklebte Katalogseiten und eine Ringerplastik erinnern an eine vergangene Kunst. Zudem schauen wir beim Video Europa nach 1945 dem Künstler als stille Beobachter*innen über die Schulter, wie er durch die gleichnamige Ausstellung im Deutschen Historischen Museum geht.
Den vielen Gesprächen fehlt aber eine wichtige Zutat: Leon Kahane selbst. Selten gehört ein*e Künstler*in so sehr zu seinem*ihrem Werk wie der Berliner, Jahrgang 1985, weil er die dazugehörigen Stoffe liefert. Und, das ist besonders an der Magdeburger Ausstellung, weil die Arbeiten auch die Familiengeschichte des Künstlers widerspiegeln.