Lange Nacht der Fotografie | 25. Januar 2020 | 19.00 - 1.00 Uhr:
Geometrisches Ballett | Hommage à Oskar Schlemmer von Ursula Sax

Schon vorab Ticket sichern bei https://www.eventim.de , im Kunstmuseum oder ServiceCenter der Volksstimme (Magdeburg, Goldschmiedebrücke)

Geometrisches Ballett  Hommage à Oskar Schlemmer von Ursula Sax

Bildhauerei als Grundlage eines Bühnenstücks: Im Bauhaus-Jubiläumsjahr brachten freie darstellende Künstlerinnen und Künstler aus Dresden das „Geometrische Ballett“ von Ursula Sax als szenische Wiederaneignung mit Live-Musik zur Uraufführung. Gewidmet Oskar Schlemmer und dessen „Triadischem Ballett“, rückte das Stück im Bauhaus-Jubiläumsjahr wieder in das Interesse der Kunstwelt. In der "Langen Nacht" haben Sie die seltene Gelegenheit, die komplette Inszenierung zu erleben, in zwei Teilen.   

Auf verführerische Weise verbinden die Luftkleider, Körpermasken und Körperpappen uns mit der Bauhausgeschichte und insbesondere mit dessen künstlerischen und theaterwirksamen Aspekten. Diese machten einen großen Teil der Praxis am Bauhaus aus, die jedoch kaum noch praktisch erlebbar ist. Inhaltliche Schwerpunkte in der Arbeit mit den Repliken der Objekte sind das Verhältnis von Form und Raum, sowie Skulptur und Bewegung. Eine besondere Rolle spielt dabei die Musik von Sascha Mock, die parallel zum szenischen Entstehungsprozess entsteht. Neben der Frage der Bewegung von Körpern im Raum und im Verhältnis zur Musik ergeben sich dem heutigen Dresdner Inszenierungsteam um die Choreographin Katja Erfurth zeitgemäße, in die Realität reichende Themen: Wie zum Beispiel Körper und Maske, Verhüllung und Individualität, Masse und Individuum, Abstand und Nähe sowie Schutz und Durchlässigkeit.

Charakteristikum des Konzepts von Ursula Sax ist die Gattungsüberschreitung von Skulptur, Performance, Tanz, Theater und Musik, ohne dabei ein Libretto vorzugeben. 

Je nach Werkgruppe der „Tanzskulpturen“ sind die Bewegungsabläufe durch die plastischen Vorgaben der Künstlerin de­finiert: Die streng geometrischen Körperpappen schränken die Bewe­gung des Darstellers drastisch ein. Aber im Zusammenspiel von Körper und dem bildhauerisch einfachen Material der steifen Pappe verschmel­zen sie zu einer Einheit und formen neue Bilder und bewegliche Skulp­turen.

Die Luftkleider arbeiten mit nichts anderem als einer genähten, skulptural geschaffenen Stoffhülle, dem Körper des Darstellers und der Luft als bildhauerischem Material. Je nach Bewegung des Tänzers wird die Luft kanalisiert wie bei einem Blasebalg, so dass plötzlich Teilformen aufpoppen, die zuvor schlaff herunterhingen. Die Vielfalt an flexiblen Formen innerhalb eines Luftkleides und der sparsame Einsatz von Far­ben schaffen ein lebendiges Bühnenbild im Dialog der Bewegung durch die Tänzer.

Die dritte Gruppe der „Körpermasken“ ist aus schwerem Filz genäht und erlaubt dem Tänzer dennoch eine größere Freiheit des tänzerischen Ausdrucks, da die Softsculpture zwischen Behausung, Schutzkleid und Panzer oder einer abstrakten Form changiert. Gleichzei­tig werden aber Bilder erzeugt, wie wir sie aus der Geschichte kennen: Eine Figur scheint einer zum Leben erweckten mittelalterlichen Grab­platte eines Ritters gleich, die andere gemahnt an einen Krieger und/oder gewalttätigen Papst. Das Material selbst setzt archaisch besetzte Assoziationen frei, die uns als Menschen seit unserer Frühzeit begleiten: Wärme, Geborgenheit, Schutz, aber auch Aggression.

Ursula Sax (geb.1935) ist eine renommierte deutsche Bildhauerin und Bildende Künstlerin. Zwischen 1950 und 1955 studierte Sax Bildhauerei an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart. Ab 1956 bis 1960 setzte sie ihre Studien an der Hochschule der Künste in Berlin fort, wo sie Meisterschülerin von Hans Uhlmann wurde. Später folgte sie einem Ruf als Professorin für Bildhauerei zuerst an die Hochschule für Bildende Künste Braunschweig (1990 bis 1993) und später nach Dresden (1993 bis 2001). Skulpturen von Ursula Sax finden sich vielerorts im öffentlichen Raum, ihr Werk ist in zahlreichen Museen (u.a. in der Sammlung der Berliner Nationalgalerie) vertreten. Von der hermetisch geschlossenen Kernskulptur sich früh entfernend, öffnet sich Sax’ bildhauerische Skulptur über die Jahre in den Raum und setzt sie in kühnen Formen – und bald auch tänzerisch – in Bewegung, beispielsweise ihre berühmteste Skulptur, den gelben, sich haushoch in den Himmel windenden „Looping“ von 1992 an der Avus Berlin.

Ein Projekt von Ursula Sax (DE)
Gesamtleitung und Produktion: tristan Production | Management | Event Dresden
In Koproduktion mit HELLERAU – Europäisches Zentrum der Künste
Initiiert durch Semjon H.N. Semjon, Semjon Contemporary.

Choreografie: Katja Erfurth; Musik: Sascha Mock; Dramaturgie: Isolde Matkey; Gesang und Performance: Annette Jahns
Tanz und Performance: Erik Brünner, Katja Erfurth, Helena Fernandino, Jule Oeft, Liang Zhu; Lichtdesign: Ted Meier
Produktionsleitung: Nicole Meier

Foto: André Wirsig

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Kunstmuseum Kloster Unser Lieben Frauen | Regierungsstraße 4-6 | Eintritt Lange Nacht: 8 Euro im VVK, Abendkasse: 10 Euro; Kinder und Jugendliche bis 18 J. haben freien Eintritt | Tel.: 0391.56 50 20 | www.kunstmuseum-magdeburg.de