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   Michael Hofstetter

   gefühle, abgründe, zufälle, unglücke

 

14. Mai - 30. Juni 2020

 

Michael Hofstetter (geb. 1961) ist Künstler und deshalb denkt er über das Kunstmachen nach. Seine Arbeiten zeigen Rauch, loderndes Feuer, Neonlicht oder Worte. Titel seiner Werke sind „Für Franziska“, „War nicht so gemeint“, „Toxic Sculpture“ und sogar „Ohne mich“. Michael Hofstetter hat dies alles erdacht und doch fühlt er sich offenbar nicht dafür verantwortlich, was wir damit anfangen. Die Kunst entsteht immer erst im Zuge ihrer Betrachtung und das bedeutet, sie entsteht erst in unseren Augen, also in dem Moment, wo sie bereits dem Künstler entzogen ist.


Offensichtlich geht es dem Münchner Künstler kaum darum, mit traditionellem Instrumentarium Bilder zu malen oder Skulpturen herzustellen, sondern Aktivitäten in die Welt zu setzen, mit denen er uns in den gedanklichen Austausch ziehen möchte. Hierzu verwendet er Kleidungsstücke, Fotografien, Interviews, Filme, Objekte, Räume, allesamt dienen sie als Interventionen, die sich unseren Gewohnheiten von Kunst und Leben in den Weg stellen.


Michael Hofstetter ist davon überzeugt, dass es in der Gegenwartskunst um mehr als um schöne und kostbare Bilder gehen muss. Weil er, wie die Künstlerinnen und Künstler zur Zeit der Umbrüche in den 1920er oder 1960er Jahren daran festhält, dass die Kunst an ihren Utopien festzumachen ist, will seine Kunst die Utopie ins Leben binden. Worüber wir sprechen, woran wir denken, wem wir folgen, was wir tun, nichts geschieht losgelöst von den Lebensumständen, für die die Menschen nur sich selbst verantwortlich machen können. Warum fügen wir uns diesen Umständen so oft? Michael Hofstetter ist ein Fallensteller unserer Gedanken, denen er neue Räume öffnen will.


Auch in der Kunst gilt, was sich über den Rand des Gewohnten hinauswagt, ist neu und schutzlos, aber es kann sich frei und unbefangen bewegen. Deshalb unterscheidet sich die Begegnung mit seiner Kunst von der gewohnten Betrachtung von Gemälden oder Skulpturen. Viele Ausstellungsstücke wirken verspielt und flüchtig. Sie laden dazu ein, uns in die Kunst hineinzubegeben, uns in ihrem Licht zu sonnen, in ihrem Rauch zu verstecken, auch die Einschusslöcher der Zeit zu registrieren und in den Sinn der geschriebenen Worte und Symbole einzutauchen, wo wir uns in ihren „Gefühlen“, „Abgründen“ oder „Zufällen“ verzetteln können. Kunst und Leben bleiben miteinander verflochten. So betrachtet könnte man seine neue Neonarbeit „Upcycling“ an der Ostfassade des Kunstmuseums auch persönlich nehmen. Hofstetter liefert eine Antwort für die wichtigste Aufgabe der Kunst. Sie sollte, mit Theodor W. Adorno formuliert, immer wieder alle Möglichkeiten als Chancen für das Leben angehen und nutzen.

Da derzeit keine Künstlergespräche in der Ausstellung angeboten werden können, gibt es Audiobeiträge von Michael Hofstetter zu verschiedenen Kunstwerken, die Hintergrundinformationen bieten. In der Ausstellung sind diese über einen QR-Code zu hören.

 

Michael Hofstetter, upcycling, 2013/2019, Foto: Kunstmuseum Magdeburg

 

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Xanti Schawinski, Magdeburg, Breiter Weg/Höhe Alter Markt, um 1929, © Kunstmuseum Magdeburg und Schawinsky Estate

 

               22. September 2019 - 9. Februar 2020 
               Moderne.Ikonografie.Fotografie
               Das Bauhaus und die Folgen 1919 – 2019

Die Fotografie ist das Bildmedium, das sich neben Architektur und Design in der Wahrnehmung des Betrachters bis heute ganz besonders mit dem Bauhaus verbindet. Für die zentrale Idee des Bauhauses, durch visionäres Denken die reale Gesellschaft zu formen, bot die Fotografie mit ihrer technischen Beweglichkeit die besten Voraussetzungen. Die Erkundung der Welt mit der Kamera, fotografische Grenzüberschreitungen, kreative Impulse, wie Experimente mit Licht und Schatten, beförderten ein „Neues Sehen“, das den Aufbruch der Fotografie in die Moderne erst ermöglichte.

Die neu entstandene Formensprache und Freiheit in der Verwendung der Mittel sichert der Fotografie nicht nur erstmals einen Platz in der Kunst, sondern bot sich in den 1920er Jahren auch als willkommenes Werkzeug zur Durchsetzung und Vervielfältigung neuer Ideen, Konzepte und Realitäten an. Die zeitgleich in Umlauf kommende Kleinbildkameratechnik popularisierte und sozialisierte die Fotografie und führte zur Verbreitung von Bildern in einem bisher nicht bekannten Ausmaß.

Die Fotografie am Bauhaus zwischen den beiden gegensätzlichen Positionen eines László Moholy-Nagy, der eine Neuauslotung der fotografischen Möglichkeiten propagierte und eines Walter Peterhans, der den Wandel vom „Neuen Sehen“ zur angewandten Sachfotografie suchte, dient als Ausgangspunkt der Ausstellung, die Bildbeispiele aus den 1920er Jahren bis in die Gegenwart zeigt.

Unter Verwendung von Fotografie schuf das Bauhaus Leitbilder für den modernen Bildgebrauch und lieferte auch die Methodik dafür, sie ohne Grenzen anzuwenden. Die Ausstellung zeigt spotlichtartig Auswirkungen von einhundert Jahren Bauhaus auf die Fotografie entlang der Zeitachse bis heute. Wie sehen Einflüsse, Bezugnahmen, Interpretationen in der fotografischen Bildsprache und Vergleiche über die Jahrzehnte bis in die Gegenwart der Fotografie aus?

 

Künstler und Künstlerinnen (Auswahl)
Bauhaus und die Zeit bis 1945
Lucia Moholy, László Moholy-Nagy, Xanti Schawinsky, T. Lux Feininger, Herbert Bayer, Marianne Brandt, Hannes Meyer, Erich Consemüller, Florence Henri, Gyula Pap, Jaroslav Rössler, Alexander Rodtschenko, Albert Renger-Patzsch, Hans Finsler, Wols, Edward Weston, Itzak Kalter, Ré Soupault, Ruth Hallensleben, Irena Blühová

Entwicklungen nach 1945
Heinrich Heidersberger, Otto Steinert, Harry Callahan, Aaron Siskind, Hilla und Bernd Becher, Ezra Stoller, Walter Funkat, Albert Hennig, Anthony Linck, Krimhild Becker, Gottfried Jäger, Brian Eno, Nicolas Nixon, Richard Misrach, Ed Ruscha, Evelyn Richter, Ulrich Wüst, Kurt Buchwald, Anna und Bernhard Blume, Hiroshi Sugimoto, Joachim Brohm, Matthias Hoch, Maix Mayer, Michael Wesely, Christof Klute, Laura Bielau, Ricarda Roggan 

Studentenprojekt Leipzig
Bernadette Keating, Mihai Sovaiala, Julius Schreiner, Valentina Plank, Dana Lorenz, Sophia Kesting, Johannes Ernst, Felix Bielmeier, Christoph Brückner, Isabell Hoffmann, Florian Merdes, Nicole Burnett , Alexander Rosenkranz, Nea Gumprecht, Florian Weber

 

Berichte und Impressionen zur Ausstellung:

https://www.youtube.com/watch?v=ikUMSCq2ivg

https://www.3sat.de/gesellschaft/laendermagazin/laendermagazin-vom-19-oktober-2019-100.html