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    Sven Johne. Ostdeutsche Landschaften

Fotografie und Video
25. März bis 6. Juni 2021


Sven Johnes Arbeiten liegt ein erweitertes Verständnis der sozialen Dokumentarfotografie zugrunde, dessen Fokus sich in dieser Ausstellung auf die Entwicklung Ostdeutschlands nach 1989 richtet. Seine Arbeiten changieren zwischen Fakt und subjektivem Erlebnis, sie kreisen um die Frage nach Authentizität und Beweischarakter von Information, Dokument und Erzählung und loten die Grenzen zwischen Ernsthaftigkeit und Zynismus aus. Im dreißigsten Jahr der Wiedervereinigung zeigt das Kunstmuseum eine Auswahl seiner Werke der letzten 15 Jahre, in denen er den Veränderungen im ländlichen Raum Ostdeutschlands auf der Spur war.


Geboren 1976 in Bergen auf Rügen, lebt und arbeitet Sven Johne heute in Berlin. Er studierte Germanistik, Journalistik und Namensforschung an der Universität Leipzig. 1998 bis 2004 folgte ein Studium der Fotografie und Philosophie an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig. Er selbst bezeichnet sich als Angehöriger einer Zwischengeneration: geboren und aufgewachsen in der DDR, mit der Jugend kam die Wende. Geblieben ist der Osten als Thema in vielen seiner Arbeiten; der gesellschaftliche Wandel seit 1989 und seine Auswirkungen.


Die Videoarbeit „Meridian“ (2020) wird in der Ausstellung zum ersten Mal öffentlich gezeigt.  Es ist die Geschichte eines jungen Manns auf einer Reise und seiner Suche nach sich selbst. Kindheitserinnerungen färben die Reise. Die Erzählung führt uns bis in die Gegenwart und konfrontiert uns damit, dass Zeit nicht alle Wunden heilen kann.
Die Serie „Ostdeutsche Landschaften“ (2005) zeigt auf den ersten Blick karge Landschaft, die Johne mit Geschichten vom „Wende-Scheitern“ komplettiert. Die Idee für die Arbeit war es, das Land seiner Kindheit zu bereisen und eine künstlerische Bestandsaufnahme vorzunehmen. Er fotografiert abgeerntete Felder und ergänzt diese mit überspitzten Kurztexten von Menschen, die in Ostdeutschland in gesellschaftlichen Konflikt mit sich und ihrer Zeit geraten.
Einen Gegensatz bildet die Reihe „Großmeister der Täuschung“ (2006) mit dem Untertitel „Fünf Heldentaten von Ostdeutschen, die ihr kreatives Potenzial nicht ungenutzt lassen wollten“. Taten von einfallsreichen und erfinderischen Menschen und ihre Geschichten finden hier ihren Platz: vom Raumschiffbauer im heimischen Garten bis zum Pokalhersteller.
Mit „Heros of Labour“ (2018) porträtiert Johne 12 Top-Motivationstrainer*innen. Ihre Bildnisse versehen mit einem Motivations-Spruch lassen die nächste Generation von „Helden der Arbeit“ heran wachsen.


Johne beschreibt, was einmal war und nicht mehr ist. Er fragt danach, was aus den Hoffnungen und Visionen der Zeit um 1989 geworden ist, wie sich Lebenswege entwickelt haben. Dabei greift er scheinbare oder echte Einzelschicksale auf, in denen sich wiederum gegenwärtige soziale, wirtschaftliche und politische Verhältnisse manifestieren.





Sven Johne, „Schwarze Löcher / Black Holes“ (Detail), 2019 © VG Bild-Kunst, Bonn 2021


Sven Johne, „MERIDIAN“, single channel, 31:30min, 2020, still. Courtesy KLEMM´S und Sven Johne, VG Bild-Kunst, Bonn 2021

 

 

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     Hartwig Ebersbach: Die Madonna


13. September bis 2. November 2020
Wiederöffnung: 25. März 2021


Hartwig Ebersbach, geboren 1940 in Zwickau, studierte an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig und gilt als einer der bedeutendsten zeitgenössischen Vertreter der gestisch-expressiven Malerei. 1973 fand die erste Einzelausstellung gemeinsam mit seinem Bruder Wolfram Ebersbach in Leipzig statt. Er begleitete eine Lehrtätigkeit für experimentelle Kunst an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Gera und war Gründungsmitglied der Freien Akademie der Künste in Leipzig. Seit 1996 ist er Mitglied der Sächsischen Akademie der Künste und der Akademie der Künste Berlin.


Die Malerei von Hartwig Ebersbach entsteht nicht Strich um Strich, kontrolliert vor der Malfläche, sie entsteht mit der typischen Fülle seiner Farben in intuitiv gesteigerten Abläufen von ekstatisch-expressiver Verausgabung - so auch sein Werk „Tötende Madonna“. Mit dieser verstörenden Formulierung beruft sich der Maler einerseits auf die lange Tradition von Mariendarstellungen und tritt andererseits aus deren Geschichte heraus. Seiner Madonna fehlt es nicht an feierlicher Strenge oder mütterlicher Zuneigung, ihre unverkennbar starke Präsenz wirkt körperlich und spirituell zugleich. Schon immer besaß die Malerei von Hartwig Ebersbach diese enorme Verdichtung aus physischer Wucht und metaphorischer Tiefe. Jedoch, dass die Madonna „tötet“ ist ein beispielloser Gedanke und nur mit der Dramatik des Ausdrucks zu erklären, mit welchem dieses Bild, nachdem es entstanden war, seinen Maler konfrontiert.

Hartwig Ebersbach ist in Magdeburg kein Unbekannter. Große Personalausstellungen des Leipziger Malers fanden im Kunstmuseum Kloster Unser Lieben Frauen 1992 und 2002 statt. Sein Gemälde „Erdblitz II“ ist ein fester Bestandteil in der Ausstellung der Sammlung des Kunstmuseums. Die hier zusammengestellte Präsentation von Gemälden und Zeichnungen verdankt sich dem Wunsch des Malers, sein Madonnen-Bild fortan der Sammlung des Kunstmuseums zu übereignen.

 

Hartwig Ebersbach, Tötende Madonna, 2010,
Öl auf Leinwand, Foto: Uwe Walter

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